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 Nudeln mit Tomatensauce (Layana et Cynthia)

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Layana
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BeitragThema: Nudeln mit Tomatensauce (Layana et Cynthia)   Mi März 24, 2010 6:58 pm

(Und schwupp! schreiben wir hier weiter. =3
*kakao und kekse hinstell*
Bisherige Posts folgen in den nächsten Posts.
Die von dir geschriebenen Beiträge sind die kursiven, meine die in der normalen Schrift, da ich ja auch so absolut normal bin. *hust*)

~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~

~ situs vilate in isse tabernit ~

„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“
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Layana
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BeitragThema: Re: Nudeln mit Tomatensauce (Layana et Cynthia)   Mi März 24, 2010 6:59 pm

Geduldig sah er zwischen dem alten, riesigen Bison und dem Clanführer hin und her, auf das Zeichen zum Angriff wartend. Das Tier graste nichtsahnend weiter und entfernte sich dabei immer mehr von der riesigen Herde.
Und dann kam das Zeichen.
Brüllend sprang er von seinem Versteck im Gras auf, packte den mannslangen Speer fester und sprintete los, auf den großen, von dickem Fell eingepackten Stier zu. Dieser riss den Kopf hoch, sah ihn aus runden, braunen Augen an und ergriff dann die Flucht. Doch natürlich war es nicht das einzige Tier, das den Mann bemerkte - die näher bei der Herde stehenden Exemplare gaben erschrockende Laute von sich und donnerten los, drängten sich zur Mitte hin, schoben damit alles an, und langsam kam die ganze Hügellandschaft aus gewaltigen Rücken in Bewegung, und in einer aufwirbelnden Staubwolke galoppierten sie unter einer Menge Lärm davon. Die Erde bebte.
Das Bison wollte auf seine davonstiebenden Artgenossen fliehen, doch da schoss Sed aus dem Steppengras und ließ den Speer auf das Tier zusausen. Dieses drehte gerade im rechten Moment ab und raste weiter, immer im Kreis, denn die anderen Mitglieder ihrer kleinen Jagdgruppe versperrten ihm den Weg.
Durc hetzte voran, so schnell er konnte, keuchte, schrie, brüllte, bis er schließlich völlig außer Atem wieder seinen Platz im Kreis einnahm. Sed übernahm, dann Qolq, dann Orna, dann Bron, dann Let und immer so weiter. Zwei mal war Durc noch an der Reihe, dann blieb das Bison erschöpft, mit zitternden Flanken stehen. Doch die Gefahr war noch nicht gebannt; manche kluge, alte Tiere sparten sich noch ein wenig Kraft, und wenn so ein Wesen austrat, konnte das bei einem Menschen leicht zum Tode führen.
Durc sprang unvermittelt vor und stieß seinen Speer in den Hals des Bisons. Dieses brüllte schmerzerfüllt auf. Eine Blutfontäne schoss ausder Wunde und besprenkelte den Mann mit feinen roten Spritzern. Es war ein gut gezielter Stoß; es war in die Kehle eingedrungen. Das Tier wollte fliehen, doch brach es vor Erschöpfung und dem hohen Blutverlust zusammen, röchelte verzweifelt, dann versiegte sein Atem.
Die Männer jubelten erleichtert und eilten zu ihrer Beute, um seine Beine zusammenzubinden. Diese schoben sie dann über zwei nebeneinander gelegte Speere, die so eine stabile Stange bildeten.
Zu sechst hoben sie das Bison dann hoch, die anderen beiden - Let und Bron - gingen mit den restlichen Speeren nebenher.
Der Marsch wurde anstrengend, dauerte aber zum Glück nicht lange, weil ihre Höhle nicht weit vom Steppenrand in einem Ausläufer eines Waldes, der sich an einen Berg schmiegte, lag. Außerdem wurde ihnen die Last bereits am Bach abgenommen, wo sie sehnsüchtig erwartet wurden.
Durc, der zusammen mit dem Clanführer die Vorderbeine trug, wurde umringt, denn daran, dass er vorne mittrug, erkannten die anderen, dass er derjenige war, der das Bison erlegt hatte. Doch er hatte nur Augen für seine kleine Tochter Ischna, die ihm lachend entgegenlief. Kaum war ihm der Speer aus der Hand genommen, hob er sie hoch und ging mit ihr auf dem Arm zur Höhle. Mit der Jagdbeute hatte er jetzt nicht mehr viel zu schaffen; die Frauen würden es häuten, Fell und Leder sowie alle weiteren Teile außer der giftigen Niere zu nützlichen Dingen umfunktionieren. Heute abend würde es dann ein Mahl aus frischem Bisonfleisch geben, das sie für den morgigen Tag, an dem ein Angriff auf eine nahe Stadt geplant war, stärken würde.
Tochter und Waffen setzte er in seinem Wohnkreis innerhalb der Höhe ab, dann eilte er zurück zum Bach, um sich noch rasch von Schmutz und Blut zu befreien.
Als er zurück war, saß man schon um das Gemeinschaftsfeuer. Er setzte sich dazu und ließ Ischna auf seinen Schoß klettern. Dann begann er, die Jagd gebärdenreich zu schildern. Denn dieser Stamm wie all die anderen kommuniziert nicht allzu viel mit Lauten, sondern per Zeichensprache. Erst mit den Kaniern war die Sprache gekommen. Man hatte die Clans gezwungem die seltsamen Laute zu lernen, mit denen sie gehörige Probleme hatten. Doch es ging schließlich, und alle der Ureinwohner beherrschten sie, denn es war manchmal noch nötig, wenn sie verhandeln wollten oder ähnliches. Untereinander verständigten sie sich jedoch immernoch hauptsächlich mit der Gebärdensprache.
Gebannt sah man ihm zu, wie Durc die Jagd schilderte, doch er blieb ungerührt unter all dem Lob, das man ihm entgegenbrachte. Nur als seine Tochter begeistert aufschrie, als er bedeutete, wie er den Speer über die kurze Strecke geworfen und direkt in die Bisonkehle getroffen hatte, huschte ein flüchtiges Lächeln über sein kantiges Gesicht.
Man saß noch lange zusammen und plauderte, nebenbei an dem frisch erlegtem Bison arbeitend. Als die Dämmerung hereinbrach, bereiteten die Frauen das Mahl und die Mitglieder des Clans schlugen sich die Bäuche voll.
Durc jedoch war mit seinen Gedanken bei dem Angriff morgen, und als er gesättigt war, schickte er schon früh die vierjährige Ischna zum Schlafen, kurz darauf legte er sich selbst auf sein Lager. Die Überlegungen, die sich ihm aufdrängten, ließ er nun unberührt in seinem Kopf vorbeiziehen. Alsbald schlief er ein.



Laruna packte ein paar Päckchen zusammen, die vom heutigen Stand übrig geblieben sind; Kräuter, Gewürze, einige Beeren. Lächelnd schob sie das letzte kleine Päckchen Beeren und Heilkräuter in eine Tasche ihres Mantels und wog daraufhin ihren Beutel in der Hand. /Endlich mal mehr als die letzten Tage/, dachte sie glücklich, griff nach ihrem leichten Mantel und schlenderte über den Rest des Marktplatzes.
Auch die Kaufleute packten bereits ihre Stände langsam zusammen. Obwohl es bereits dämmerte, gingen noch recht viele Leute über den Marktplatz.
Eine ganze Weile spazierte die junge Frau über den Marktplatz und hing ihren Gedanken nach, bis sie an dem gewünschten Stand ankam, wo die Preise noch einigermaßen niedrig waren. "Zwei Äpfel bitte", sagte sie und wühlte in ihrem Beutel.
"Gern", sagte die Frau des Stands und musterte Laruna genau. "Laruna?"
Sie sah auf und sah ihre Freundin Akaya verblüfft an. "Oh, hallo, Akaya!" Sie lächelte. "Lange nicht gesehen."
Akaya nickte. "Ja, wie geht es dir so?" Sie reichte Laruna die Äpfel und nahm das Geld entgegen.
Die beiden jungen Frauen kamen ins Gespräch und hatten sich vieles zu erzählen- schließlich haben sie sich eine Ewigkeit nicht mehr gesehen.

Als sich bereits völlige Dunkelheit über die Stadt legte, verabschiedeten sich die beiden Frauen und Laruna ging den Weg zurück in Richtung ihres Schlafplatzes.


Als die Sonne über den Horizont kletterte und die ersten wärmenden Strahlen über das Land schickte, erwachten die Clanleute aus ihrem Schlaf. Durc schnappte sich eine Seifenwurzel aus seinem Vorrat und ging zum Bach hinunter, wo er sich gründlich wusch. Dann kehrte er an sein Feuer zurück und bereitete den Morgenverzehr vor. Als dieser fertig war, weckte er Ischna. Auch in den anderen Wohnkreisen wurde schon gegessen, doch aus Höflichkeit sah er nicht herüber.
Nachdem sie das Frühstück beendet hatte, verpackte Ischna die Reste und wusch das Geschirr. Durc ging zu den Männern und wenigen Frauen hinüber, die ebenfalls an dem Angriff teilnehmen würden, um ebendiesen zu planen.



Laruna wachte auf und streckte sich gähnend. Kurze Zeit blieb sie liegen und starrte aus dem Loch in der Wand, wo einmal ein Fenster eingesetzt war, mit der Zeit allerdings heraus gebrochen war. Dann setzte sich auf und wühlte in der Tasche ihres Mantels, den sie als Decke benutzt hatte. Als sich ihre Finger um einen der beiden Äpfel schlossen, sie hatte gestern Abend keinen Hunger gehabt, holte sie ihn heraus und biss herzhaft hinein. /Mhm... Köstlich!/ Nach wenigen Minuten war der ganze Apfel vertilgt und Laruna betrachtete kauend das Kerngehäuse, welches sie im nächsten Moment auch schon wegwarf. Sie schluckte, stand auf, packte ihre wenigen Sachen zusammen und trat aus dem alten Gebäude auf die Straßen der Stadt.


Der Plan wurde rasch geschmiedet, die Vorbereitungen getroffen. Durc, der am Vortag schon seine Sachen bereitgelegt hatte, machte einige Übungen, um seine Muskeln zu erwärmen und die Sehnen zu dehnen.
Dann wanderten sie los. Die Strecke würde sie trotz der großen Ausdauer und Kraft der Stammesmitglieder einen halben Tag kosten, und am Mittag würden sie eine Pause machen, um ihre Kräfte zu sammeln und die anderen zu erwarten.
Sechzehn waren sie an der Zahl, doch aus anderen zahlreichen Clans würden weitere kommen, am Ende würden sie etwa 50 Mann zählen.



Laruna war unterdessen unterwegs im Wald, um neue Kräuter und frische Beeren zu sammeln. Heute würde sie wohl eher keine Dinge verkaufen, sondern ihre gesammelten Dinge für sich selbst nehmen. Gestern hatte sie erstmal genug verdient. Das würde mindestens für heute reichen.
Nachdem sie erstmal genug gesammelt hatte, ging sie wieder zurück in die Stadt und schlenderte gemächlich über den Marktplatz.


Der Treffpunkt, an dem sie eine kleine Pause einlegten, war bereits voller Menschen, als sie eintrafen. Sie waren die letzten, dennoch verweilten sie noch lange genug dort.
Die Clanführer setzten sich zusammen, um den Angriff zu koordinieren. Als sie fertig waren, riefen sie alle zusammen. Man lockerte und dehnte sich, machte sich warm. Dann erst teilten sie sich auf und schlichen völlig unbemerkt an die Stadtmauer heran.
Durc kniff die Augen zusammen. Er würde über einen verkümmerten, niedrigen Baum auf die Mauer gelangen und von dort über die Dächer hinweg zum Marktplatz gelangen. Bis dorthin würde sie niemand bemerken, erst dann, wenn sie auf den mit Menschen gefüllten Platz stürmten und ihren Angriff begannen.
Einige Momente wurden noch gewartet, während ein kleiner Pferdewagen gemächlich ins Innere der Stadt schaukelte. Als er dann verschwunden war, wurde das Zeichen gegeben.
Ohne den geringsten Laut huschten die Krieger zur Mauer und schmuggelten sich in die Stadt.
Behände schwang sich Durc auf den Baum, erklomm einige Äste, lugte über die Mauer. Niemand da, der hier hochsah. Kraftvoll schwang er sich hinauf, stand auf dem schmalen Mauerabsatz. Von dort tat er einen großen Satz zum nächsten Dach, wo er federleicht landete. Auf der der Hauptstraße abgewandten Giebelseite rannte er mit vom Leder gedämpften Schritten über die Dächer, sprang vom einen zum nächsten, bis er schließlich die Mitte der Kleinstadt erreichte. Dann wandte er sich nach links. Die Häuser wurden niedriger und seine Vorsicht wuchs. Doch niemand entdeckte ihn. Schließlich saß er, gut verborgen hinter dem hochgebogenen Giebelende eines alten Hauses, am Rande des Marktplatzes.
Lärm drang zu ihm, der Geruch von Schweiß, Fäkalien, vergammeltem Obst, Gewürzen und vierlerlei anderen Dingen erfüllte die Luft. Angewidert zog er die Nase kraus. Wie konnte man hier bloß leben! Allein die Vorstellung war für ihn unerträglich.
Da! Ihm schräg gegenüber, ebenfalls auf einem Dach, saß einer der Clanführer und gab das Zeichen.
Durc riss zwei lange, metallene Schwerter aus seinem Gürtel und sprang unter lautem Gebrüll vom Dach. Von allen Seiten erklang das Kampfgeschrei, und Kreischen hob zwischen den Bürgern an. Chaos brach aus. Durcs Klingen wirbelten unaufhaltsam durch die Menge. Spritzendes Blut nahm ihm die Sicht, Leiber die sich an ihm vorbeidrängten oder von ihm Weg, Körperteile, die er abgetrennt hatte. Sein Blick huschte herum, vom Boden, wo er nebst den üblich dort herumliegenden Gegenständen nun auch noch zahlreichen Leichenteilen ausweichen musste, nach vorn, nach links, rechts, hinten. Inzwischen konzentrierte sich und erweckte die Magie, die er durch seine Klingen leiten konnte. Sie begannen, hellrot zu glühen, und wirbelten noch schneller, stärker, schärfer und zielsicherer. Selbst wo die blitzenden Schneiden nicht hinlangten, schoss das rote Glimmen durch die Luft und zerschnitt alles, was ihm in die Nähe kam. Ein Grinsen legte sich auf sein Gesicht, sodass ihm Blut in den Mund spritzte. Doch es störte ihn nicht, steigerte eher seinen Blutrausch, der ihn immer rascher wirbeln ließ. Unzählige Menschen fielen ihm zum Opfer, wie auch den anderen Kriegern.



Plötzlich war lautes Geschrei ringsumher zu hören, und erschrocken sah sie auf. Es ging alles viel zu schnell für sie. Es lagen plötzlich so viele Leichen da, sie sah die Räuber von den Dächern springen, sie sah die Leichen auf dem Boden, sie sah Blut, überall Blut! Die Handelsstände wurden erbarmungslos ausgeraubt, die Mütter von ihren Kindern getrennt.
Fassungslos blieb Laruna stehen und betrachtete das Gemetzel. Plötzlich flog eine Axt an ihrem Kopf vorbei und erst jetzt registrierte sie, dass sie mitten auf dem Kampfplatz stand. Erschrocken lief sie zur Seite, um den Räubern zu entfliehen, doch es half nichts: Einer lief hinter ihr her.
Sie rannte an einem großen Pferdewagen vorbei und versteckte sich daraufhin hinter einem Stapel Kisten. Sie atmete schnell und schaute vorsichtig durch eine Ritze des Kistenstapels. Sie sah, wie der Räuber gleich an dem Pfedewagen vorbei war...
Laruna schaltete schnell und fixierte eine Kiste, die in der Nähe des Wagens war, an, woraufhin diese gegen die Pferde flog. Sie wieherten erschrocken und trabten los- geradewegs auf den sie verfolgenden Mann zu. Erschrocken sah er auf und schon wurde er von den Pferden übertrampelt.
Laruna sah angewidert weg und warf dem Mann nur einen kurzen Blick zu, um sicher zu gehen, dass er sie nicht mehr verfolgen konnte.
Sie sprang auf und rannte los. Sie meinte, ihren Namen gehört zu haben, schaute nach hinten und lief weiter. Als sie wieder ängstlich nach vorne sah, blieb sie ruckartig stehen, als sie einen Mann mit grün schimmernden Klingen vor sich sah. Erschrocken versteckte sie sich hinter einem weiteren Handelswagen, wo sie erstmal einigermaßen geschützt, Luft zu holen konnte.
Die Schreie der Mütter, die nach ihren Kindern riefen, das Weinen der Kinder nach ihren Müttern, die zu Tode verängstigten Schreie der Menschen- die junge Frau hielt es kaum aus.


Nach wenigen Minuten schon bedeckten statt hektischer Menschen reglose Leichen den Marktplatz. Nur etwa zwei oder drei Dutzend Menschen waren noch dort. Bis auf Durc hetzten nun die Krieger in die Seitenstraßen. Sie würden dort so viele Menschen niedermetzeln wie es ging und dann über die Mauer hinweg fliehen, während Durc den Rest der Menschen auf dem Marktplatz entfernen sollte. Doch nun hetzte auch die Stadtwache auf den Platz, und der Mann stellte erschrocken fest, dass sich diese seit ihrer letzten Attacke verzehnfacht hatte. Die schwer bewaffneten Männer rannten allesamt mit klappernden Rüstungen auf sie zu. Durc stieß einen kurzen Kampfschrei aus, dann stürmte er ihnen mit nun blutrot leuchtenden Schwertern entgegen. Wie ein erhitztes Messer durch Butter, so glitten die Klingen durch das mattgraue Metall und die Leiber der Wachen. Doch es waren zu viele und Durc war ein wenig erschöpft; sie kreisten ihn ein, warfen und schossen Waffen auf ihn, drängten ihm immer näher auf den Leib. Und irgendwann endlich, als von der Garde, die einst mehr Männer gezählt hatte als ihre Angriffstruppe, nur noch ein oder zwei Dutzend übrig waren, gelang es ihnen endlich, dem Mann eine Kopfwunde zuzufügen: Ein steinernes Handbeil sauste von der Seite auf den unteren Teil seines Schädels zu. Er riss den Kopf zur Schadensbegrenzung zur Seite, dann spürte er den reißenden Schmerz oberhalb seiner Schläfe. Er spürte, wie das heiße Blut aus seinen Adern spritzte, fühlte die Erschütterung seines Schädelknochens, und dann war da nur noch Schmerz und Dunkelheit.

Das erste, was er spürte, als er erwachte, war der brennende Schmerz an seinem Kopf. Leise stöhnte er auf und öffnete blinzelnd die Augen. Doch das änderte das Bild nicht, er sah die selbe Schwärze wie hinter seinen Lidern. Angestrengt kniff er die Augen zusammen, um etwas zu erkennen. Gleichzeitig spürte er die trockene Kruste, die die eine Seite seines Kopfes bedeckte, kaltes Metall an seinen Fuß- und Handgelenken, hartes Steinboden an seinen Schienbeinen, ein schmerzhaftes, steifes Gefühl in seinen Armen, der Gestank nach Urin, Schweiß, Angst, gammligem Stroh, Verzweiflung und Fäulnis. Irgendwo in der Nähe rasselten leise Ketten, und seine hervorragenden Ohren schnappten das Gemurmel ferner Stimmen, Schritte und Hufgeklapper auf. Nun hatten sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt, und er erkannte, wo er sich befand: in einer winzigen Zelle. Zwei, drei Meter vor ihm befand sich ein schweres Eisengitter, im selben Abstand links und rechts eine hohe, glatte Steinwand, selbiges hinter, über und unter ihm. Er hing in schweren Ketten, die an der Wand hinter ihm befestigt waren, die Arme so hoch, dass er nur auf dem Boden knien konnte.
Gefangen!
Wellen von Wut auf die Kanier und auf sich selbst, weil er sich hatte gefangen lassen, Hilflosigkeit, Hass, Sehnsucht, Angst und Mordlust rasten durch seinen Körper und entluden sich in einem mörderisch klingendem, langem Schrei und einem verzweifelten Aufbäumen seines Körpers. Man hatte ihm die Freiheit genommen! Mühsam stellte er sich auf die Füße, zerrte an den Ketten. Doch diese hielten. Er gewann die Kontrolle über sich zurück. Mit Macht drängte er alle Gefühle zurück und versuchte, einen klaren Kopf zu bekommen. Er musste dringend hier raus!



Als nur noch wenige lebendige Bürger auf dem Marktplatz waren, zogen die Krieger bis auf einen plötzlich ab. Irritiert sah sie ihnen hinterher, dann wurde ihr Blick jedoch von dem Geschehen auf der anderen Seite des Platzes angezogen: Die gesamte Stadtgarde eilte auf den Hof, und der Krieger mit den rotglühenden Klingen sah sich erschrocken, aber dennoch zum Kampf bereit, nach den Wachen um.
/Gott sei Dank haben sie mehr Wachen ausgerüstet als beim letzten Angriff./ Aufmerksam hockte sie hinter dem Wagen. Sie war nicht mehr ängstlich, da jetzt die Stadtgarde angelaufen kam, und der Angreifer hoffentlich keine Chance mehr hatte. Aber dennoch hatte sie ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Sie betrachtete das Schauspiel zwischen Stadtgarde und Angreifer. Obwohl sie sich von einem Kampf stets abzuwenden versuchte, schaute sie nun wie gebannt zu, wie Wachen den Krieger/Jäger weiter einkreisten. Sie merkte gar nicht, dass sich ihre Hände zu Fäusten geballt hatten. Sie müssen ihn einfach kriegen!
Aufmerksam beobachtete sie, wie der Angreifer sich wehrte, plötzlich sackte der Krieger in sich zusammen und lag nur noch reglos am Boden. Sie wollte losjubeln, konnte ein Freudenschrei aber gerade noch unterdrücken.
Langsam gingen die Wachen auf den Krieger zu, um zu sehen, ob sie ihn wirklich bewusstlos 'geschlagen' hatten. Einer der Soldaten hob die Hand und sofort packten sie den Bewusstlosen grob und zogen ihn Richtung Gefängnis.

Laruna blieb noch eine Weile hinter dem Wagen. Sie konnte es nicht glauben, dass es ihnen endlich gelang, einen von ihnen zu erwischen. /Vielleicht hören die Angriffe jetzt endgültig auf.../, dachte sie, verwarf den Gedanken jedoch sofort wieder. Das war doch absurd.
Sie stand auf und versuchte die Leichen so gut es ging zu ignorieren. Ihre Gedanken waren noch immer bei dem Angreifer. Plötzlich blieb sie erschrocken stehen. Er war jetzt ein Gefangener des Stadtgefängnisses, was bedeutete, dass sie ihn höchstwahrscheinlich versorgen müsse. Anstelle der Erleichterung, die sich auf sie legte, nachdem er gefangen wurde, trat nun eine plötzliche Last auf ihre Schultern. Unsicher ging sie Richtung Gefängnis, um ihre heutige Arbeitsschicht so schnell wie möglich zu erledigen.

"Wir haben einen neuen Gefangenen", erklärte ihr der Gefängniswärter, nachdem sie sich zum Dienst meldete, "Versorge ihn bitte mit dem Üblichen; Wasser, Brot, Heilkräutern. Das Übliche eben."
Laruna nickte und nahm ihre Utensilien. "Natürlich." Sie nickte kurz höflich, ging einen Schritt rückwärts und drehte sich dann um, um 'den Neuen' zu versorgen.

Sie blieb vor seiner Gefängniszelle stehen und betrachtete ihn einen Moment schweigend. Da hockte er nun... So klein, so bekümmert, so machtlos. Er tat ihr fast ein bisschen Leid.


Während er versuchte, seinen Kopf frei zu bekommen, näherte sich ihm ein Licht: Eine Lampe, getragen von einer jungen Frau. Einer Kanierin. Und da war alles umsonst - die Gefühle stürztem mit noch mehr Macht als zuvor auf ihn ein. Er brüllte, laut, lang, mit einer Bösartigkeit, die einen jeden Krieger stolz gemacht hätte. Sein Körper wehrte sich gegen die Gefangenschaft. Die Ketten rasselten, dann knirschten sie. Das Metall riss seine Haut auf, doch er registrierte es kaum. Das Blut floß Arme und Füße herab. Die schweren Bolzen, mit denen die Ketten in der Wand befestigt waren, bewegten sich bedenklich stark, schienen herauszubrechen. Das Brüllen klang ab, wurde zu einem mörderischem, hasserfülltem Knurren aus den Tiefen seiner Kehle, das noch immer laut genug war, dass man es bis in alle Zellen in diesem Keller hören konnte. In Durcs fast schwarzen Augen stand wilder Hass, seine Hände bogen sich wie Krallen. Sein ganzer Körper war voll Schmutz und Blut. Alles in allem schien er wahrlich wie eine wilde Bestie, ein Monster, dem man die Freiheit geraubt hatte.


Lanura schreckte zurück und ließ das Brot sowie die Heilkräuter fallen. Den Wasserkrug hielt sie zitternd fest. Mit offenem Mund starrte sie ihn an und ihren Augen glänzten ängstlich im Schein der Lampe. Sie schluckte schwer. "Ich habe etwas zu Essen und Trinken für Euch." Sie versuchte ihre Stimme so fest wie es ging klingen zu lassen, ob es ihr jedoch gelang, konnte sie nicht sagen. Sie ging in die Hocke, schob das Brot durch eine größere Öffnung im Gitter, und den Wasserkrug schob sie hinterher. Sie warf einen Seitenblick auf den jungen Mann, doch als sie sah, dass dieser sie nur wütend und zornig anfunkelte, sah sie schnell wieder weg und erhob sich.


Seine noch angeschlagenen Kräfte verließen ihn und er sank erschöpft keuchend in sich zusammen, die Schienbeine trafen den rauhen Boden und wurden aufgeschürft. Schweiß troff von seiner Haut. Er hatte alle Kraft benutzt, die er hatte, doch die Ketten hatten gehalten. Blut tropfte von Armen und Fußgelenken, und auch seine Kopfwunde war wieder aufgeplatzt.
Verdammt! Er hatte es nicht geschafft. Seine Stärke reichte nicht aus. Er konnte nicht fliehen! Er konnte nicht zu seinem Clan zurückkehren. Nicht zu Ischna, seiner geliebten Tochter, dem einzigen, was ihm von seiner Gefährtin geblieben war. Die anderen Krieger würde er nicht wiedersehen, nicht den riesigen Wald und die Steppen und die Berge, all das Leben, das sich dort tummelte. Niemals wieder würde er in seinen Wohnkreis treten, das Feuer schüren und seine Waffen fertigen. Nie wieder würde er jagen, mit seinen Clanleuten sprechen, nie wieder durch den Wald streifen und Kräuter und Früchte sammeln. Nie wieder frische Luft atmen, nie wieder ins helle, wärmende Sonnenlicht heraustreten. Nie wieder würde er sich mit den anderen Jägern beraten. Nie wieder würde er abends Ischna af seinen Schoß setzen und ihr von all den Jagden berichten, denen er beigewohnt hatte oder den Angriffen auf die Kanier.
Endlos rasten ihm solcherlei Gedanken durch den Kopf, wirr, durcheinander und stechend wie unzählige Pfeile, die in sein Herz stießen. Schmerz und Kummer trieben ihm Tränen in die Augen, die ihm zusammen mit dem Schweiß vom Gesicht tropften. Er schloss die Lider und warf Oberkörper, Kopf und Haare zurück, sodass sein Blick an die Decke gerichtet war.



Lanura beobachtete ihn aufmerksam und schloss die Gittertür auf, als er erschöpft an die Decke starrte. Sie trat zögernd ein und stellte die Lampe auf den Boden. "Ich werde Eure Wunden behandeln", sagte sie und suchte einige Kräuter heraus. Vorsichtig und sofort zum Sprung bereit kniete sie sich neben ihn und begann vorsichtig, seine Wunde an der Schläfe zu behandeln. Sie hasste die Angreifer, doch als sie merkte, dass vereinzelte Tränen über sein Gesicht rollten und auf den Boden flossen, verspürte sie Mitgefühl für ihn.


Er hörte sie kaum, doch als sie seine Haut berührte, zuckte er zurück, soweit wie möglich von ihr weg, starrte sie erneut voller Hass an. Deutlich spürte er das Mitleid, das von ihr ausging, doch das machte ihn nur noch wütender. Wie konnte sie Mitgefühl verspüren! Seine Art hatte einen Großteil der Bevölkerung ihrer Stadt ausradiert.
"Verschwinde", knurrte er leise, erstaunt darüber, dass er das Wort in seinem Gedächtnis wiedergefunden hatte. Ihm war klar, dass sie ihm nur helfen wollte und die noch immer lebensgefährliche Wunde an seinem Kopf nur heilen wollte, doch er wollte sich nicht von einer Kanierin behandeln lassen!



Lanura sah ihn ausdruckslos an. "Ich will Euch nur helfen", sagte sie mit ruhiger Stimme. Es war klar, dass er sich mit Sicherheit nicht zusammenreißen würde. "Eure Wunde ist tief."


"Lieber sterbe ich, als mir von dir helfen zu lassen. Außerdem - was hat es für einen Sinn, zu leben, wenn ich doch meine Freiheit verloren habe?!", knurrte er und versuchte, seine Kräfte zu sammeln, um sie irgendwie angreifen zu können. Dieses verdammte Kanierweib sollte verschwinden! Unbändiger Hass loderte in seinem Herz und seinen Augen.


Lanura seufzte und packte ihre Kräuter zusammen. Sie griff nach der Lampe, stand auf und ging zum Gitter. "Sicher, dass ihr lieber Schmerzen ertragen wollt? Die Wunde ist tief, ihr könntet in der Tat sterben. Wie lange Ihr allerdings unter diesen Qualen leiden müsst, ist ungewiss. Es kann schon diese Nacht passieren, oder nächste. Vielleicht auch erst in einigen Wochen oder einigen Monaten." Ihre Stimme war noch immer ruhig. "Vielleicht werden die Staatsmänner ein Abkommen mit euch treffen, wenn ihr Euch wohl verhaltet. Vielleicht werden sie Euch frei lassen. Habt ihr denn keine Familie? Wollt ihr Euch nicht um euer Volk kümmern? Aber ja, Ihr habt Recht: Wieso sollte sich jemand wie Ihr um eine Familie kümmern? Ihr tötet Menschen- so viele Menschen! - und sollt dann noch eine Familie haben?", ungläubig schüttelte sie den Kopf, "Und ich soll Euch helfen. Welch Ironie." Sie warf dem Brot und dem Wasser einen flüchtigen Blick zu. "Hier steht Euer Essen. Esst es, bevor sich die Ratten drüber hermachen." Sie trat hinaus. "Allerdings wäre es euch nicht zu vergönnen", murmelte sie und verschloss die Tür.


"Man wird kein Abkommen mit mir treffen. Ich habe hunderte von euch getötet, und würde es weiter tun. Und ob du es glaubst oder nicht, ich habe eine kleine Tochter. Aber da ich ohnehin niemals zu meinem Clan werde zurückkehren können, hatt es keinen Sinn, am Leben bleiben zu wollen!", fauchte er.


Lanura sah auf, als er sprach. "Ihr habt eine kleine Tochter? Und dann tötet ihr so viele Menschen?" Sie schüttelte den Kopf. "Ich verstehe Euch nicht."


"Ihr seid Kanier. Ihr zerstört das Leben in diesem Land, und wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Mutter Natur zu beschützen. Darum töten wir euch!", knurrte er. Seine Ketten rasselten leise, als er sich so bequem wie möglich hinzuhocken versuchte. Kopfwunde, Handgelenke, Fußknöchel und Lunge schmerzten schrecklich, doch er verdrängte dies, denn ein Teil von ihm versuchte, seine Emotionen niederzukämpfen und ihn daran zu hindern, so viel mit dieser Kanierin zu sprechen.


Lanura seufzte. "Verstehe", sagte sie knapp und drehte sich um, um zum Gefängniswärter zu gehen.

"Wasser und Brot ist in seiner Zelle", begann sie zu erklären, "dennoch weigert er sich, sich von mir behandeln zu lassen." Sie zögerte. "Er verabscheut uns wirklich..."
Der Gefängniswärter grinste. "Hab ich mir gedacht. Hätte mich sehr gewundert, wenn er sich behandelt lassen hätte. "Hast du ihm gesagt, dass seine Wunde tödlich ist?"
Die Frau nickte. "Ja."
"Dann wollen wir doch mal sehen, ob er die heutige Nacht übersteht. Morgen ist sein Gerichtstermin."
"Morgen schon?"
"Ja, zum Glück schon morgen. Das wär's dann für heute. Kommen Sie morgen wieder."
Laruna nickte. "In Ordnung." Sie nickte ihrem erneut höflich zu und verließ das Gefängnis.


Nachdem das Mädchen gegangen war, zwang er sich zur Ruhe und nickte schließlich ein.

Er erwachte erst, als man ihn vom Boden hochriss; die Arm- und Fußketten hatte man entfernt, dafür neue angelegt, die nicht an der Wand befestigt waren: jene an den Beinen waren gerade lang genug, das er Schritte machen konnten, aber zu kurz, um nach jemandem treten zu können; jene an den Handgelenken waren eng und hielten seine Hände auf dem Rücken.
Grob zogen ihn zwei Männer in Uniformen aus der Zelle, wobei einer über das unberührte Essen stolperte. Er fluchte, sein Gefährte lacht und machte eine Bemerkung, die Durc nicht verstand.
Hastig versuchte der Jäger, auf die Beine zu kommen und selbst zu gehen - geschleift zu werden war ihm definitiv zu schmerzhaft.
Durch mehrere Gänge und über einige Treppen schleppte man den Mann, bis sie endlich den Ausgang erreichten. Sofort kniff er die Augen zusammen, als ihn das grelle Sonnenlicht umhüllte. Die Wachen schien es nicht zu stören, sie marschierten ungerührt weiter.
Als sich Durcs Augen an die Helligkeit gewöhnt hatten, erkannte er auf einem Platz ein Stück vor ihnen eine Menschenmenge. Er fragte sich, ob sie dort waren, um ihn zu verhören, oder um seiner Hinrichtung beizuwohnen. Nun, bald würde er es erfahren...



Laruna hatte in dieser Nacht nicht allzu gut geschlafen und träumte wirres Zeug; die Stadt wurde überfallen, überall hörte man Schreie, weinende Kinder. Auf dem ganzen Markt lagen Leichen und ein Mann, bespritzt mit Blut, schwang geschickt seine grün schimmernden Schwerter.
Sie fuhr hoch und schaute sich ängstlich um. Es war wieder so real gewesen... Als wäre es ein Déjà-Vu-Erlebnis. Sie stand auf und packte ihre Sachen wie jeden Morgen zusammen. Die Sonne stand bereits höher als an anderen Zeitpunkten, wo sie aufstand. Sie erinnerte sich wieder an den Mann, den sie in der Zelle hätte versorgen sollen, der sich jedoch weigerte, sich von ihr behandeln zu lassen. Es würde heute morgen entschieden werden, was mit ihm passiert.
Gedankenverloren ging sie los und ihre Füße trugen sie zu einem vollen Platz. Ab und an erhaschte sie einen Blick auf eine kleine Tribüne.


Die Menschen bildeten eine Gasse, durch die die Männer Durc schleiften. In der Mitte des Platzes schließlich, vor einem Podest, auf dem auf einigen Stühlen mehrere Männer, stießen sie ihn unvermittelt nach vorn, sodass er auf die Knie fiel. Eine Staubwolke stieg auf und hüllte ihn ein. Er hustete trocken. Auf dem Weg hierher hatte er keinen Henker gesehen. Also würde er wohl noch eine Weile am Leben gelassen werden. Er konnte sich nicht entscheiden, ob er das nun gut oder schlecht finden sollte.
"Wer bist du?", fragte eine kalte, herrische Stimme. Durc hob den Kopf und blinkte den Mann, der gesprochen hatte, an. Er saß in der Mitte der Tribüne, auf dem größten Stuhl. Am Leibe trug er prunkvolle Kleidung, die Knöpfe des Hemdes, das sich über den riesigen Bierbauch wölbte, schienen jeden Moment platzen zu wollen.
Offensichtlich schwieg er zu lange, denn eine Peitsche knallte laut über ihm und zog dann eine lange Strieme über seinen Rücken. Er schrie auf. Mehrere der Lederstreifen, die um seinen muskulösen Oberkörper gewunden waren, sprangen auseinander und fielen zu Boden.
"Antworte! Wer bist du?", wiederholte der Mann.
Durc biss die Zähne zusammen und antwortete mit grimmigem Stolz: "Ich bin Durc vom Clan des Höhlenlöwen."



Als die Menschenmasse eine Gasse bildeten, erhaschte sie einen Blick auf den Angeklagten: Es war tatsächlich der Mann, den sie gestern gefangen genommen hatten. Sie folgte ihm mit ihrem Blick und wartete auf eine Antwort. Doch er sagte nichts. Sie sah zum Herren und erschrak, als plötzlich ein lautes Knallen über den Platz ertönte. Erschrocken wandte sie den Blick auf den Mann, der auf der Tribüne kniete. Sie sah nachdenklich von dem Mann zu dem neben ihm stehenden Mann. Wie konnten sie ihn so quälen, obwohl er doch eine kleine Tochter hatte? Klar: Er hatte viele Menschen der Stadt getötet. Auch sein Tod würde niemals genügen, um sich für die getöteten Menschen zu rächen. Aber was machte seine Tochter jetzt bloß durch? Was würde sie selbst dazu sagen, wenn alle Menschen des Stammes zurückkehrten- nur ihr Vater nicht?
Sie schaute niedergeschlagen zu dem Mann. "Ich bin Durc vom Clan des Höhlenlöwen", ertönte seine Stimme. /Durc... Aha./


"Also... Durc vom Clan des Höhlenlöwen", sagte der dicke, weißhaarige Mann, der offenbar den Vorsitz hatte, mit einem spöttischem Unterton, "warum habt ihr die Stadt angegriffen?"
"Wir griffen an, um den kanischen Abschaum aus unserem Territorium zu entfernen", antwortete Durc freiheraus und voller Hohn. Er würde sich nicht demütig sein, sich nicht seinen Stolz brechen lassen. Es hätte ihm nichts mehr genutzt.
Erneut zischte die Peitsche auf ihn nieder, riss einen Hautfetzen von seinem Rücken, ein zweites Mal, ein drittes, viertes, fünftes. Jedesmal schrie er schmerzvoll auf. Blut tropfte von seinem Rücken auf den staubigen Erdboden. Mehrere Menschen riefen ihm Dinge zu, doch er achtete nicht dauraf.
In dem Blick des Weißhaarigen stand Zorn, doch wie es der Brauch verlangte, fragte er:
"Bereust du deine Tat?"
"Nein", war seine knappe Antwort.
Eine Weile schwieg der Mann, während die Menschenmenge rumorte. Schließlich wurde dann doch Ruhe verlangt, und der Vorsitzende erhob erneut die Stimme:
"Wir haben dir ein Angebot zu machen. Kooperierst du mit uns und verrätst eure Pläne und euer Versteck, so wirst du einen raschen, schmerzlosen Tod sterben. Weigerst du dich, wird es ein qualvoller sein. Nimmst du an."
"Niemals!", rief Durc voller Wut. Seinen Clan verraten?! Lieber würde er tausend grausame Tode sterben, als diesen Leuten seine Tochter und seine Gefährten auszuliefern.
Erneut hob der Wächter, der neben ihm stand, die Peitsche, und ließ sie auf ihn niedersausen. Diesmal biss er jedoch die Zähne zusammen und unterdrückte die Schreie.
"Das war die falsche Entscheidung. Schafft ihn zurück ins Gefängnis! Wir werden es schon noch aus ihm herausbekommen."
Die Peitsche hielt inne, er wurde wieder an den Oberarmen gepackt und rasch vom Platz geschleift, eine dunkle Blutspur hinterlassend. Sein Leib zitterte vor Hass und Schmerz.



Lanura betrachtete das Schauspiel einige Meter von ihr entfernt. Viele Male peitschte die Peitsche auf den Rücken des Mannes und jedes Mal erschrak sie mehr. Ob Feind, hin oder her, Lanura kann einfach keine Gewalt sehen. Sie drehte um und drängelte sich durch die Menschenmenge. Kurze Zeit später stand sie etwas abseits. Dennoch verstand sie die Stimmen gut, die Peitschenhiebe waren allerdings aus dieser Entfernung für sie zu ertragen. Die schmerzerfüllten Schreie des Mannes aber waren noch immer klar und deutlich zu hören.
Nachdem beschlossen wurde, dass der Mann zurück ins Gefängnis gebracht werden sollte, traten Soldaten aus der Menge hervor, griffen grob nach den Armen des Mannes und schleifte ihn durch die erneute Gasse durch die Menschenmenge.
Es war also nicht vorbei. Auch heute muss sie sich wieder um ihn, als Gefangenen, kümmern- und sie vermutete, dass er sich heute nicht mehr helfen ließe als am vorherigen Tag. Er schien so entschlossen und voller Abscheu gegenüber den Kaniern zu sein, dass sie sich sogar ziemlich sicher war, dass ihre Vermutung sich erfüllen würde.
Sie sah dem Mann hinterher und machte sich, sobald dieser außer Sichtweite war, auf in Richtung Gefängnis, um für den heutigen Tag neu eingeteilt zu werden.


Die Wunden auf seinem Rücken pochten schmerzhaft, jede Bewegung tat höllisch weh. Darum wehrte er sich auch nicht, als man ihn wieder in der Zelle ankettetete. Zu seiner großen Erleichterung wurden die Ketten diesmal lockerer gespannt, sodass er sich auf die Seite legen konnte. Er versuchte, sich ein wenig zu entspannen, doch der Schmerz ließ es nicht zu. Mit verzerrtem Gesicht starrte er ins Dunkel. Er ahnte, was ihm bevorstand - Folter und Tortur, bis er kläglich daran verendete. Denn verraten würde er nichts, ganz egal, was sie mit ihm vorhatten.


Als Laruna das Gefängnis erreichte, trat sie ein und ging wie jedes Mal zum Gefängniswärter, um sich für die kommende Woche einteilen zu lassen.
"Wie üblich wieder", sagte der Gefängniswärter und schob ihr wieder die üblichen Dinge hin. "Sie können gleich schon anfangen."
Laruna nickte wie immer höflich, nahm die Sachen und ging leise zu den Gefangenen. Sie erreichte die Zelle Durcs, blieb vor der eisernen Gittertür stehen und musterte ihn. Seine Wunden sahen wirklich schlimm aus.
Nach kurzer Zeit räusperte sie sich, um auf sich aufmerksam zu machen. "Sind wir heute ein bisschen gesprächiger, was das Versorgen angeht?", fragte sie mit einem leicht ironischen Unterton und steckte den Schlüssel in das Schloss. Es klackte und die junge Frau trat mit Brot, Trinken und Kräutern ein.


Mühsam richtete er sich auf und musterte das Mädchen.
"Warum werde ich überhaupt versorgt? Das bedeutet doch weder Folter noch Tod", knurrte er, doch der unbändige Hass war aus seinen Augen verschwunden. Nun endlich war es ihm gelungen, seine Selbstbeherrschung wiederzufinden. Als nächsten Schritt würde er sein Bewusstsein selbst verbannen, sich selbst zu einer leeren Hülle machen, die keinen Schmerz spürte und nichts zu verraten vermochte.
Die Qualen, die ihm bevorstanden, würden ihm dabei helfen.



Laruna warf dem jungen Mann einen flüchtigen Blick zu und stellte das Brot und den Wasserkrug auf den kalten und harten Steinfußboden. "Ich wurde dazu eingeteilt, mehr kann ich Euch auch nicht sagen." Sie betrachtete das Essen vom Vortag. "Ihr habt also keinen Hunger gehabt, verstehe." Sie schob die Reste zur Seite und richtete sich wieder auf. "Also was jetzt? Sind wir heute ein bisschen zuvorkommender, was das Versorgen der Wunden angeht?"


Nachdenklich sah er sie an. Wenn sie die Wunden nicht versorgte, würde er schneller sterben. Doch wahrscheinlich würde man dafür sorgen, dass das nicht so schnell geschah.
Ließ er sie aber die Wunden versorgen, würden die folgenden nicht so schmerzhaft sein wie wenn sie es nicht täte.
"Nagut", brummte er und drehte ihr langsam den von verschorften Striemen bedeckten Rücken zu. Mal sehen, was dabei herauskam...



Laruna nickte und wandte sich den Kräutern zu, die sie auf dem Boden abgelegt hatte. Sie nahm ein feuchtes Tuch und einige der Kräuter, bevor sie zu Durc trat. Erschrocken blieb sie vor ihm stehen und betrachtete seinen blutigen Rücken. Sie schluckte und kniete sich zögernd neben ihn. "Es könnte schmerzhaft werden", sagte sie matt und schon legte sie das kalten Tuch auf seinen Rücken. Vorsichtig versuchte sie, die Wunden so gut es ging auszuspülen.


Er brummte etwas Unverständliches und beugte sich nach vorn, um es ihr leichter zu machen. Dabei brach die schmutzigrote Kruste zum Teil auf, und kleine Blutrinnsale flossen wie Bäche seinen Körper herunter. Er fragte sich, wie lange er wohl noch leben würde.


Mit zusammengeschobenen Augenbrauen betrachtete sie die Wunden. "Das sieht nicht gut aus", sagte sie leise und mit sanfter Stimme. Sie hatte eine Schale mit Wasser mitgebracht und wusch dort das rotverforbene Tuch aus. Das Wasser war kalt, aber angenehm und sofort färbte es sich rötlich. Sie wrang das Tuch aus und wusch die letzte Wunde aus. Als auch diese gesäubert war, legte sie das Tuch in die Wasserschale und griff nach einigen Kräutern, um diese vorsichtig zu zerzupfen und sie auf die Wunde zu legen. Sie schwieg, summte allerdings eine Melodie, die ihre Mutter ihr früher immer vorsummte, leise vor sich hin.


Verbissen kniff er die Lippen zusammen. Doch war es nicht der Schmerz an seinem Rücken, der ihn beinah um den Verstand brachte, sondern die Melodie des Liedes, das sie summte. Auch wenn es nicht das selbe war, erinnerte es ihn doch daran, wie früher seine Gefährtin jeden Abend, wenn sie Ischna in den Schlaf wiegte, alte Melodien gesummt hatte.


Sanft drückte sie auf die Kräuter, sodass deren Saft sich auf die Wunden legten. Sie hörte auf zu summen und betrachtete Durc einen Moment von hinten. "Wie alt ist Eure Tochter?" Dann begann sie die Kräuter der erst behandelten Wunden abzuziehen.


Eine Weile schwieg er, versuchte sich zu fangen, und als es dann gelang, überlegte er, ob es riskant war, ihr irgendetwas zu verraten. Doch das fiel für ihn nicht in den Bereich der Dinge, die ein Geheimnis bleiben mussten.
"Vier", antwortete er leise.



Geduldig beobachtete sie ihn. Als er ihr Alter erwähnte, huschte ein Lächeln über ihr Gesicht. "Vier also erst..." Sie zog die weiteren Kräuter ab und legte Neue darauf. "Die Wunden sehen böse aus", stellte sie nach einem kurzen Blick auf die Wunden fest. "Und wie heißt sie?" Im nächsten Moment bereute sie die Frage. Man hatte ihr ausdrücklich untersagt, mit den Gefangenen zu reden- und vor allen Dingen mit diesem Gefangenen.


Vorsichtig setzte er die Hände auf den Boden und streckte den Rücken leicht durch. Ein leises, schmerzerfülltes Stöhnen entwischte seinen Lippen, die Ketten klimperten.
"Ischna. Und was ist mit dir? Hast du eine Familie? Und wie heißt du überhaupt?", fragte er, um sie daran zu hindern, ihm weitere Fragen zu stellen.



"Nicht bewegen", ermahnte sie ihn, als er den Rücken durchdrückte. Überrascht über seine Fragen schwieg sie einen Moment. "Äh", sie schüttelte den Kopf, "Ischna also. Hübscher Name." Bei dem Gedanken an ihre Familie, hielt sie in ihrer Bewegung inne und betrachtete einen Moment traurig die Kräuter in ihrer Hand. "Nein, habe ich nicht." Ihre Stimme klang traurig und niedergeschlagen. Sie schwieg wieder einen Moment, fuhr dann aber fort: "Laruna." Sie begann wieder, die Kräuter abzuziehen.


Folgsam hielt er still.
"Laruna", wiederholte er unbeholfen mit sprachungeübter Zunge. Dann schwieg er. Zu sehr wollte er das Gespräch doch nicht in Gang bringen - morgen vielleicht, wenn sie ihm erneut Essen brachte.
//Moment mal - warum unterhalte ich mich überhaupt mit ihr?! Sie ist eine Kanierin!// Entsetzt über sich selbst verengte er die Augen zu schlitzen.



Laruna kicherte kurz. "Ja. Laruna..."

"Laruna! Beeil dich!", ertönte eine tiefe männliche Stimme.

Die Frau erschrak und zuckte merklich zusammen. "Oh", sie zog die Kräuter erneut ab und packte sie zusammen. "Ich muss mich beeilen." Schnell ergriff sie die Sachen und sprang auf. Sie ging ohne ein weiteres Wort aus der Zelle und stellte die Dinge vor der Zelle auf den Boden. Sie sah nochmals zu dem jungen Mann. Sie suchte nach passenden Worten. "Vielleicht trifft man sich ja mal wieder..." Damit hockte sie sich auch kurz hin, nahm die Sachen wieder und eilte davon.


Mit unergründlichem Blick sah er ihr nach. Als sie dann verschwunden war, seufzte er leise und wandte sich dem Essen zu, das sie ihm gebracht hatte. Erneut rasselten seine metallenen Fesseln. Er hasste das Geräusch schon jetzt.
Wasser, so etwas wie einen dicken Fladen und etwas gelblichweißes, was er noch nie in seinem Leben gesehen hatte, lagen auf einem grob zusammengestecktem Holztablett. Misstrauisch hob er den Krug hoch und schnupperte. Roch wie ganz normales Wasser. Vorsichtig nippte er daran. Schmeckte auch normal. Zufrieden trank er das Gefäß mit wenigen, tiefen Zügen aus. Erst nach dem ersten kleinem Schluck waren ihm der brennende Durst und stechende Hunger bewusst geworden. Gierig schlang er auch den Fladen herunter, der ungewohnt schmeckte und ungewürzt war. Auch das seltsame, sich weich anfühlende weiße Etwas roch und schmeckte nicht giftig, also aß er es.
Halbwegs gesättigt zog er sich zur Wand zurück, lehnte sich vorsichtig dagegen und schloss die Augen. Noch immer pochte es in seinem Rücken, doch es war so weit abgeklungen, das er einschlief.

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„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“
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BeitragThema: Re: Nudeln mit Tomatensauce (Layana et Cynthia)   Mi März 24, 2010 7:00 pm

Am heutigen Morgen erwachte Lanura wieder ziemlich früh, und machte sich mit einem knurrendem Magen auf den Weg in den Wald, um neue Beeren und Kräuter zu finden. Langsam musste sie sich auch mal wieder auf den Marktplatz stellen, um ein bisschen Geld zusammenzubekommen: Ihr Geldbeutel leerte sich.
Sie schlenderte durch den Wald und hatte einen mittelgroßen Korb in der Hüfte gestemmt. Mit der einen Hand stützte sie diesen, mit der anderen pflückte sie Beeren, um diese dann sanft in den Korb zu legen.
Die Sonne stieg höher und höher und erst als sie an ihrem höchsten Punkt angelangt ist, machte sie sich auf den Rückweg. Sie ging zu dem Brunnen auf dem Marktplatz, wo sich alles wieder einigermaßen beruhigt hat von dem schrecklichen Überfall vor wenigen Tagen. Hoffentlich griffen sie nicht erneut an- der Clan der Höhlenlöwen, wie Durc sie nannte.
Sie präsentierte einige der Dinge und wartete auf Kundschaft, während sie auf dem Rand der Brunnens saß und die Melodie von gestern vor sich hinsummte.


Diesmal erwachte er bereits, als die Männer sich näherten. Misstrauisch sah er ihnen entgegen. Die Angst saß in seinem Kreuz und kroch langsam höher, während die Wachen ihm die Handschellen anlegten und ihn von der Wand lösten. Rasch rappelte sich Durc auf, da wurde er schon nach vorn gerissen. Man schleifte ihn erneut durch mehrere Gänge, doch war es nicht der Weg nach draußen. Stattdessen gelangten sie in eine geräumige, von Fackeln erhellte Kammer, die Durc eisige Schauer den Körper heruntertrieb. Er hatte noch nie zu vor eine gesehen, doch aus einigen Erzählungen erkannte er es wieder: eine Folterkammer.
Bevor er sich noch von dem Schrecken, den ihm die vielen Instrumente einflößten, erholen konnte, wurde er auch schon weitergetrieben. Einige Männer standen um einen Stuhl, dessen Lehnen voller Metallstreben und -gebilden waren, herum, auf den man ihn stieß. Sofort wurden seine Arme mit breiten Lederstreifen festgeschnallt, die kaum über seine muskulösen, dicken Unterarme passten. Einer der Männer nahm von irgendwoher einen metallenen Gegenstand, in den er flink den linken Daumen Durcs hineinlegte.
"Verrate uns, wo euer Versteck ist."
"Nein", erwiderte er mit klopfendem Herzen.
Ein schmutziges Grinsen erschien auf dem Gesicht des Mannes, der vor ihm stand. "Nun gut. Mal sehen, wie lange du der Daumenpresse wiederstehst."
Angstvoll sah Durc auf seine linke Hand. Die Zwinge, die seinen Finger umschloss, wurde mithilfe eines Hebels fester gezogen und quetschte die Haut ein. Der Jägr biss die Zähne zusammen, dass es knirschte. Und der Hebel wurde weitergedreht.

Nach einer Ewigkeit wie es ihm vorkam, löste man ihn wieder aus dem Stuhl und schleifte den halb Besinnungslosen zurück in seine Zelle, wo er, nachdem man ihn wieder angekettet hatte, über seinen gebrochenen, stark blutenden Fingern zusammensank. Fast alle hatte man in dieses schreckliche Instrument gesteckt. Doch er hatte nichts verraten. Und das erfüllte ihn mit einem Stolz, der den Schmerz um einiges erträglicher machte.


Es war bereits später Nachmittag, als Lanura die Reste zusammensammelte und wieder in ihre Korb legte. Die Ernte von heute hatte nicht so viel eingebracht wie die von vor einigen Tagen- doch für heute wird es mindestens reichen.
Sie ging wieder über den Marktplatz und kaufte sich diesmal ein kleines Kräuterbrot. Sie schaute sich nach anderen nützlichen Dingen um, auch wenn sie bestimmt nicht genug Geld hatte, um sich etwas 'Besonderes' zu kaufen- jedenfalls was man hier unter 'Besonderem' versteht.
Sie setzte sich also wieder auf den Brunnenrand und begann, ihr Brot auseinander zu brechen. Es war frisch gebacken und schmeckte hervorragend. Dennoch ließ sie die übrige Hälfte in ihren Beutel fallen, um später noch etwas zu haben. Sie trank etwas Wasser und machte sich dann wieder auf den Weg zum Gefängnis. Sie konnte nicht sagen, wieso, aber sie freute sich auf den heutigen Besuch bei Durc. Er war auf eine gewisse Weise nett- obwohl er so viele Menschen getötet hat.

Der Gefängniswärter nickte ihr nur zu und nickte auf die bereitgestellten Dinge, die sie verteilen sollte. Sie nickte und erledigte ihre Arbeit. Heute musste sie nur zwei Gefangene verarzten, und zwölf nur Essen und Trinken bringen.
Sie ging wieder zum Gefängniswärter, um sich die restlichen Dinge zu holen. "Heute wirst du bei Durc viel zu tun haben."
Lanura runzelte die Stirn, nickte jedoch schweigend und ging mit den restlichen Dingen zu Durcs Zelle. Sie stapelte alles kurz auf ihrem Kopf, schloss auf und trat wieder ein.


Als er die Schritte hörte und das Klicken des Schlosses, hob Durc langsam den Kopf und sah sie schweigend an. Gewisserweise war er froh, dass sie kam und nicht irgendjemand anders, denn er spürte, dass sie Mitleid spürte und ihm wirklich helfen wollte. Er bezweifelte, dass andere genauso mit den Gefangenen umgingen.
Vorsichtig bewegte er die Arme und legte die von Blutergüssen vollständig blaugefärbten und von Blut verkrusteten Hände auf seine Knie. Der Schmerz zuckte durch seinen Körper, er fuhr zusammen. Nun konnte er noch nicht mal die Hände benutzen. Innerlich fluchend und voll Scham ob seiner Hilflosigkeit wandte er den Blick ab.



Laruna kam schweigend auf ihn zu, ging in die Hocke und stellte die Dinge, die sie noch immer auf dem Kopf trug vorsichtig ab. Die kleine Öllampe stellte sie neben die beiden auf die Erde. Als ihr Blick zufällig auf seine Hände fiel zuckte sie zusammen und sah entsetzt auf seine Hände. "Oh nein...", murmelte sie. "Was... Was haben sie denn mit Euch gemacht?" Sie wandte sich dem Wassertopf zu und legte das Tuch ins Wasser, tauchte es unter und wrang es danach wieder aus. Sie wollte es gerade auf seine Hände legen, hielt jedoch inne und sah ihn zögernd an. "Sie sind gebrochen, nicht wahr?" Sie warf seinen Händen einen erneuten flüchtigen Blick zu. "Ich habe noch nie gebrochene Finger behandelt...", murmelte sie.


Erstaunt sah er sie an.
"Ich hatte gedacht, ihr Kanier wisst alle viel über solches Folterwerk?"
Auf ihre zweite Frage zuckte er vorsichtig mit den Schultern. "Ich weiß nicht, ob sie gebrochen sind, ich hatte noch nie gebrochene Finger."
Nachdenklich sah er auf seine Finger herab. Sie waren noch gerade, aber das konnte auch einfach daran liegen, dass nichts sie umgeknickt hatte. Er wusste nur, dass es schrecklich wehtat.



Lanura sah ihn irritiert an, verstand dann jedoch seine Frage und wandte sich ihren Heilkräutern zu. "Nein, nicht alle Kanier wissen, was es für Foltergeräte in den dunklen Kerkern des Gefängnisses gibt", sagte sie leise, sodass Durc sie gerade noch verstand.
Dann sah sie wieder zu ihm. "Dann werden wir mal sehen, was sich da machen lässt." Sie betrachtete erneut seine Finger und ihr wurde bei diesem Anblick ein wenig schlecht. Sie schluckte und ergriff wieder das Tuch, um es vorsichtig auf seine Finger zu legen.


Eilig biss er die Zähne zusammen, um den Schmerzenslaut zu unterdrücken, er aus seiner Kehle aufstieg. Dies war weit schlimmer als die Peitschenstriemen auf dem Rücken. Die Finger waren allzu empfindlich. Fest sah er auf die Hand, die Laruna zu behandeln begann. //Keine Schwäche zeigen//, mahnte er sich, //behalte deinen verfluchten Stolz!//


Vorsichtig tupfte sie die Hand ab. "So", murmelte sie, nachdem die Hand grob vom Blut gereinigt war. Sie griff nach einem kleinen Stöcken und riss einige Fäden ihres Kleids an den Stellen ab, die sich sowieso schon auflösen. Dann riss sie ein zweites trockenes Tuch auseinander.
"Es könnte jetzt ein wenig weh tun...", sagte sie und hob sanft seine Hand hoch und kaute nervös auf ihrer Unterlippe herum. Vorsichtig legte sie die Stöcke an die einzelnen Finger, legte ein Fetzen des Tuchs herum und verband dieses Paket sachte mit einem der Fäden. Als sie fertig sah, sah sie auf. "Geht's?"


Langsam löste er die verkrampften Muskeln und löste die Kiefer voneinander.
"Ja", murmelte er und betrachtete seine Hand. Dann, nach kurzem Schweigen, sagte er etwas, das es in den Stämmen überhaupt nicht gab: "Danke." Früher, als Kind, hatte er dieses Wort nicht verstanden. Denn im Clan war man aufeinander angewiesen. Es war natürlich, dass man für die anderen und sich selbst tat, was man konnte. Da war Dankbarkeit nicht nötig.
Aber Laruna konnte er nichts geben, was sie dafür entschädigen konnte, dass sie ihn heilte.



Laruna war etwas überrascht, lächelte dann jedoch. "Keine Ursache." Dann fiel ihr Blick wieder auf die Stelle an der Schläfe. "Oh... Die haben wir ganz übersehen", sagte sie und griff nach dem Waschlappen, um diesen wieder auszuwaschen. Schweigend begann sie, die Stelle so gut es ging zu reinigen, da sich jedoch bereits eine harte Kruste gebildet hat, was das gar nicht so einfach. "Mhm... Das müssen wir wohl so lassen...", überlegte sie laut.


Er nickte nur schwach und richtete sich dann ein wenig auf, lehnte sich mal wieder gegen die Wand. Sein Blick streifte durch den öden Raum und blieb an dem Essen und Trinken hängen, das neben Laruna stand. Augenblicklich meldete sich sein Magen. Mist. Wie sollte er mit gebrochenen Fingern etwas zu sich nehmen?


Laruna folgte stirnrunzelnd seinem Blick und dann entdeckte sie das Essen. Sie fixierte es mit den Augen, und schon stand es vor Durc, während sie das Tuch erneut auswusch, doch viel sauberer wurde es nicht- das Wasser war bereits rotgefärbt. "Esst doch was." Sie wandte sich ihm wieder zu und biss sich auf die Unterlippe. "Entschuldigt, bitte, ich habe nicht dran gedacht, dass..." Sie deutete mit einem Kopfnicken auf seine Hände.


"Schon in Ordnung", brummte er leise, "du kannst ja nichts dafür." Als er dies aussprach, wurde ihm bewusst, wie war das doch war. Was hatte ein einfaches Mädchen wie Laruna damit zu tun, dass man ihn folterte? Dass man die Clans vernichten wollte? Dass man über das Land herfiel und es ausbeutete? Im Grunde nichts. Vielleicht war sie schon hier geboren worden. Sie trug keine Schuld. Verwirrt schüttelte er den Kopf. Das tauchte seine Sichtweise auf die Kanier in ein ganz anderes Licht.


Laruna nickte nur und zögerte einen Moment. "Habt Ihr Hunger?" Sie tupfte ein letztes Mal seine Stirn ab und legte das Tuch dann bei Seite. Fragend sah sie ihn an.


"Ein wenig", gab er zu, während seine Gedanken durcheinanderwirbelten. Wenn nicht alle Kanier sich aktiv an dem beteiligten, wofür sie sie töteten, war es dann überhaupt richtig? Aber man musste sie doch irgendwie loswerden. Sie konnten nicht zulassen, dass sie Mutter Natur zerstörten...!


Laruna zögerte, ergriff dann jedoch das Brot und hielt es ihm hin, damit er ein Stück abbeißen konnte. "Hier", murmelte sie.


Unsicher sah er sie an, dann schnupperte er an dem Gebäck und biss vorsichtig ein Stück ab. Es war demütigend, gefüttert zu werden wie ein Kleinkind, doch es ging nunmal nicht anders. Also nahm er es hin und vertilgte den dicken Fladen rasch, um der Verlegenheit zu entkommen.


Laruna sah unsicher zu dem Wasserkrug. "Was ist mit Trinken?" Sie packte ihre Kräuter zusammen, um ein wenig von sich abzulenken- auch ihr war es unangenehm, einen Fremden und dazu noch einen Feind... zu füttern.


"Wäre nicht schlecht", brummte er unsicher und sah verlegen zur Seite. Der rote Schimmer, der auf seinen Wangen brannte, war dank der Dunkelheit zum Glück nicht zu erkennen.


Laruna seufzte und nahm zitternd den Krug in die Hände. Zögernd führte sie diesen zum Mund des Mannes und begann, langsam zu gießen. Als der Krug geleert war, stellte sie ihn zurück auf den Boden und erhob sich. "Ich werde morgen wieder vorbeikommen", sagte sie leise und stapelte erneut die Sachen auf ihrem Kopf.


Durc nickte leicht und verfiel wieder in Schweigen.
Sie würde wohl jeden Tag wiederkommen, vermutete er. Nicht nur wegen Nahrung und Wasser, sondern auch, um seine alten und neuen Wunden zu versorgen, da er vermutete, dass die Folter nach dem heutigen Tag noch nicht enden würde - denn schließlich hatte er kein Wort verraten. Und das würde er auch nicht, dachte er fest, da nahm er lieber tausend Jahre Qualen auf sich.



Die junge Frau trat zur Tür und trat hinaus, schloss die Tür zu und ging ohne ein weiteres Wort zurück zum Gefängniswärter.


Durc lehnte sich wieder einmal an die Wand und legte vorsichtig die gebrochenen Hände auf seine Knie. Der Schmerz war fast völlig vergangen, er durfte die Finger nur nicht zu sehr bewegen. Seufzend starrte er in die Finsternis.


Laruna erwachte wieder früh, machte sich diesmal jedoch nicht auf den Weg in den Wald, sondern ging durch die Stadt durch ein anderes Stadttor. Dort setzte sie sich auf die verfallene Stadtmauer und holte das trockene Brot vom Vortag aus ihrer Tasche. Schweigend schaute sie auf die ebene Fläche, die sich nun einige Kilometer weit erstreckte. /Wunderschön.../ Sie biss von ihrem Brot ab und untersuchte einen Apfel, der vor ihr auf dem Boden lag. Als sie sich vergewissert hatte, dass dieser keine sonderlich großen Beschädigungen aufwies, biss sie herzhaft hinein und der süße Fruchtsaft lief ihr aus den Mundwinkeln. Nachdem sie sowohl das Brot als auch den Apfel vertilgt hatte, starrte sie noch eine lange Zeit auf die weite Fläche vor ihr. Sie beobachtete die Sonne, die langsam über den Horizont glitt und höher stieg, die Vögel, die am Himmel vorbei flogen. Als die Sonne sich gemächlich ihrem höchsten Punkt näherte, sprang sie wieder hinunter und machte sich auf den Weg zum Gefängnis.


Das Zeitgefühl hatte Durc längst verloren. Er saß im ewigen Halbdunkel, das nur unterbrochen wurde, wenn man ihn in die Folterkammer brachte oder Laruna zu ihm kam.
Nun aber war er schon enige Zeit wach. Nach dem gestrigen Tag hatte er einen Entschluss gefasst: Er würde versuchen, zu fliehen.
So zerrte er an den Ketten, nicht mit voller Kraft, aber doch beständig. Die Fesseln waren wirklich sehr fest im Gestein verankert, und wenn er seine Kräfte nur so sehr beanspruchen wollte, dass es nicht auffiel und er die Torturen gut genug überstand, würde es Wochen dauern, bis sie aus der Wand brachen. Aber er sich von Kindesbeinen an in Geduld üben müssen, darum wusste er, dass er nicht aufgeben würde und auch nicht die Fassung verlieren, bevor es ihm schließlich gelang.
Im Gang waren Schritte zu hören. Augenblicklich lockerte er die Muskeln, sodass die Ketten rasselten. Kurz darauf erschienen wieder die Männer vor dem schweren Metallgitter. Kalt sahen sie ihn an, und er blickte genauso zurück. Sie öffneten die Zellentür, kamen herein, wechselten seine Fesseln und zogen ihn mit sich.
In der Kammer angekommen, erwartete Durc, wieder auf den Stuhl von gestern bugsiert zu werden, doch stattdessen brachte man ihn in eine Ecke des Raumes, wo er an Armen und Beinen an Seile gebunden wurde, sodass er eher hing als stand. Aus den Augenwinkeln sah er, wie einer der Männer eine Pechfackel entzündete. Seine dunklen Augen weiteten sich, als er ahnte, was ihm bevorstand, und da spürte er schon das lodernde Feuer auf seiner ledrigen Haut.
"Wirst du uns verraten, wo euer Versteck ist?"
"Nein!" Die Flammen brannten nun direkt auf seinem Bauch.
"Und nun?"
"Niemals!" Er schrie gequält auf, jede Sekunde schien die Hitze schlimmer zu werden.
"Verrate es uns."
"Nein!" Blasen schlugen aus seiner Haut.
"Jetzt hab dich doch nicht so..." Dreckiges Lachen.
"Nein!", wiederholte er zwischen zwei Schreien. Das Feuer fuhr über seinen Oberkörper, schön wie im Wind wehende Seide, schmerzender als ein Schwert im Leibe.
"Sage es uns!"
Durc schüttelte heftig den Kopf, sein Körper bäumte sich verzweifelt auf, während er sich auf den Schmerz zu konzentrieren suchte. Sein Denken war gelähmt, das Bewusstsein wenig mehr als Schein.

Mehr tot als lebendig mussten die Wächter ihn zwei Stunden später in seine Zelle tragen, wo er reglos liegenblieb. Die Kälte des Raumes war eine Wohltat für die Brandwunden, doch zu rühren wagte er noch nicht.



Laruna schlenderte über den Marktplatz, wo die Kaufleute wieder ihre Waren anpriesen. Sie ging an vielen Ständen vorbei und schaute sich die Waren an; Früchte und Brote waren am meisten zu kaufen, Schmuck, Leder und Stoffe aus fernen Ländern gering. /Tz... Wer könnte sich schon aus dieser verwüsteten Stadt solch einen teuren und edlen Stoff leisten? Klar, die Regierung, aber wieso gehen sie nicht gleich zu ihnen?/, dachte sie kopfschüttelnd und ging weiter über den Marktplatz.
"Laruna!"
Die Frau wirbelte herum und sah sich nach der Stimme um.
"Hier, Lara!"
Die Stimme kam von einem Stand neben ihr. Sie drehte sich um und lächelte, als sie das Gesicht erkannte. "Fina!"
Fina lächelte. "Ganz genau. Könntest du mir einen Gefallen tun?"
Stirnrunzelnd ging sie zum Stand und sah die andere Frau an. "Klar, aber worum geht's?"
"Jonathan hat mich gebeten, ihm heute zu helfen... Und da wollte ich fragen, ob du eventuell den Stand für heute übernehmen könntest?"
Laruna schüttelte den Kopf. "Nein, das tut mir Leid. Ich muss jetzt wieder ins Gefängnis... Aber danach kann ich dich gerne ablösen." Sie lächelte. "Allerdings weiß ich nicht, wie lange es heute dauert...", fügte sie leise hinzu.
Fina nickte. "Ach so, klar. Dann mach mal schön deine Arbeit."
Laruna lachte. "Selber! Bis später dann!"
Fina nickte und bediente bereits den nächsten Kunden. "Ja, bis nachher!"

Laruna erreichte das Gefängnis und ging zu den schon bereitgestellten Dingen. Der Gefängniswärter war nicht zu sehen, also beschloss sie, die üblichen zu versorgen. Sie machte sich an die Arbeit und ging wie gestern zuletzt zu Durc.
Vor seine Zelle blieb sie stehen, schloss auf und trat ein. "Und, was haben sie diesmal mit Euch gemacht, Durc?", fragte sie und stellte, ihm den Rücken zugewandt, das Brot und das Trinken wieder auf den kalten, feuchten Boden.


"Dreh dich um, dann siehst du es", sagte er leise. Die Brandwunden, die seinen Oberkörper bedeckten, waren wirklich nicht zu übersehen. Und zu seinem Unglück auch nicht zu 'übermerken'. Das Brennen, das immer noch von den hässlichen Blasen und Schlieren ausging, machte ihn ziemlich bewegungsunfähig und bestärkte gleichzeitig seinen Willen, hieraus zu entkommen.


Laruna runzelte die Stirn und kam wieder hoch. Sie wandte sich zu ihm um und erschrak. "Oh mein Gott..." Sie eilte zu ihm und betrachtete die Wunde nachdenklich. "Das können die doch nicht machen...", murmelte sie verständnislos vor sich hin und tupfte vorsichtig mit dem nassen Tuch auf der Wunder herum.


Durc hob eine Augenbraue.
"Warum nicht? Ich habe unzählige von euch massakriert", sagte er mit leicht sarkastischem Unterton.



Laruna sah auf. "Ja, ich weiß. Es bezog sich nicht auf Euch..." Sie schwieg eine Weile. "Sie machen das bei vielen- ob so kriminell wie ihr, oder nicht: Sie bestrafen jede Kleinigkeit." Sie legte das Tuch beiseite und nahm nun wieder einige Heilkräuter, zerzupfte sie und legte sie auf die Wunde.


Als die Kräuter seine Haut berührten, zuckte er zusammen und stöhnte leise auf.
"Das ist keine Bestrafung. Sie wollen erfahren, wo sich der Clan aufhält", sagte er.



Laruna sah auf. "Natürlich- ich kann es ihnen auch nicht verübeln", fügte sie leise hinzu, fuhr dann jedoch mit normaler Lautstärke weiter: "Aber sie machen es bei jedem- ob Bestrafung für einen kleinen Diebstahl oder... oder Massemassaker wie Ihr." Leicht drückte sie wieder die Kräuter auf seine Wunden.


Er verzog das Gesicht und presste die Kiefer aufeinander. Erst als sie die Kräuter nicht mehr so stark aufdrückte, erwiderte er etwas, ohne jedoch direkt auf ihre Bemerkungen zu antworten, denn diese bestätigten nur seine Ansicht, dass die Kanier ein grausames Volk waren.
"Warum sprichst du eigentlicher immer von 'ihnen'? Ist euer Volk in zwei Teile gespalten?"



Laruna sah verwundert auf und sah ihn verständnislos an. Dann verstand sie und schüttelte den Kopf. "Nein, nein. Allerdings... Sagen wir so", sie tauschte die Kräuter aus und legte die anderen einfach lose auf die Wunden, "Es sind nicht alle genau der Meinung der Regierung- viele meinen sie übertreiben, andere wiederum meinen: kleiner Taschendieb oder Massenmörder- alle müssen gleich bestraft werden ohne jegliche Gnade." Sie fixierte kurz die Schüssel Wasser, die daraufhin wie von Geisterhand zu ihr hinüber rutschte, und sah ihn dann wieder an. "Was machen die Finger?"


"Regierung?", fragte er verwundert und sprach das Wort dabei falsch aus. "Was ist das?"
Erschrocken beobachtete er die Wasserschale. "Die Finger heilen rasch. Wieso fliegt die Schale?!"



Laruna lachte kurz. "Ja, die Regierung. Ihr wisst schon; die hochrangigeren Leute der Stadt... Bzw. wohl eher die Einflussreichsten", fügte sie murmelnd hinzu. Als Durc die Schale erwähnte, runzelte die Stirn und sah zur Schale. "Wieso? Was sollte denn- ach, natürlich." Sie sah wieder zu Durc. "Das ist nichts Besonders, einfach nicht beachten." Sie versuchte sich ein Grinsen zu verkneifen, da sie es höchst amüsant war, dass sich ein so furchtloser Krieger, wie Durc es war, sich vor einer Schale erschrak, die ein kurzes Stück über den Boden 'huschte'.


"Ist das eine Form von Magie oder so?", fragte er, auf die Schale bezogen, und dann, nach einem kurzen Schweigen, während sie wieder Kräuter an seinen geschundenen Oberkörper drückte: "Das mit der Regierung - wenn es hochrangige Leute sind, heißt das, ihr habt mehrere Anführer, die zusammen Regierung heißen?"
Er wunderte sich gewissermaßen selbst über seine Neugier, doch vielleicht, überlegte er, versuchte er nur, sich von dem Schmerz abzulenken oder von dem erdrückendem Alleinsein, das den größten Teil seines Tagesablaufs beherrschte.



Laruna nickte. "Ja, eine Form von Magie." Sie wechselte die Kräuter aus und nickt erneut. "Nochmals ja. Es sind ein paar einflussreiche Menschen, die die Stadt regieren... Manche von ihnen kaufen sich in die Regierung ein, nur um an noch mehr Ansehen und Macht zu kommen."


Nachdenklich schwieg er. Mehrere Anführer - wie konnte denn das funktionieren? Erst recht, wenn man sich hineinkaufen konnte? Naja, die Kanier hatten weit mehr Mitglieder in nur einer Stadt als sie in ihrem einen Clan. Da brauchte man wohl mehr als einen Anführer.
Schließlich entschied er sich für einen Themenwechsel.
"Als ich dich gestern nach deiner Familie fragte, wurdest du traurig. Warum?"



Laruna behandelte weiter seine Wunden, doch als er ihre Familie erwähnte, horchte sie auf und sah ihn an. "Sie sind vor langer Zeit gestorben", antwortete sie knapp und wandte sich ab. Der Tod ihrer Eltern lag nun schon so viele Jahre zurück, doch noch heute wurde sie bei dem Gedanken an ihren Tod traurig.

Sie nahm das feuchte Tuch und sah wieder zu Durc. Im schwachen Schein der Öllampe glitzerten ihre Augen leicht und als sie in Durcs Gesicht sah, entflammte Hass in ihr. Sie sah ihn böse an und behandelte seine Wunden mit gröberem Druck als zuvor. Sie hatte vergessen, dass es solch ein Volk wie seines war, welches ihre Eltern damals getötet hatten.


Er registrierte ihren Blick und dass sie ihn nun nicht mehr so sanft behandelte wie zuvor. Damit war die Todesursache wohl eindeutig, dachte er.
"Sie wurden von Clanleuten getötet", murmelte er. Es war keine Frage, es war eine Feststellung.



Laruna befahl sich, nicht aufzusehen und behandelte seine Wunden noch immer grob. Bei dem Wort 'Clanleute', lief es ihr kalt den Rücken runter. Sie nickte nur und biss sich auf die Unterlippe, um ihre Wut unter Kontrolle zu haben.Sonst war sie niemals so aufbrausend, aber die ganze Situation machte sie bald wahnsinnig.
Noch nie hatte sie jemals zuvor einen ihrer größten Feinde behandelt, versorgt und gepflegte, und dies auch mit einer gewissen Art von Zuneigung. Doch jetzt, da ihr wieder bewusst wurde, dass es sogar sein Clan gewesen sein könnte, der ihre Eltern vor einigen Jahren getötet hatte, entflammte unbändiger Hass in ihr. Vielleicht war sogar er es, der sie getötet hatte...
Unsanft drückte sie das Tuch auf eine neue Wunde.


Zischend ließ er die Luft aus seinen Lungen entweichen. Wenn sie so weitermachte, würden die Wunden wieder aufreißen. Aber das wäre ihr wahrscheinlich nur recht. Er seufzte leise und schalt sich, ihre Familie erwähnt zu haben. Dann drückte sie das Tuch erneut auf die verbrannte, blasige Haut und er musste die Zähne aufeinanderbeißen, um nicht aufzuschreien. Seine Kiefer mahlten, dass es wehtat, aber das lenkte zumindest von den Schmerzen in seinem Oberkörper ab. Das unangenehme Knirschen, das seine Zähne machten, klang, als würde Stein auf Stein malen, und er musste unwillkürlich daran denken, wie er vor wenigen Tagen Obstkerne zermahlen hatte, um diese als eine Art Mehl zu verwenden. Was für ein banaler Gedanke! Fast musste er laut auflachen. Wie schaffte er es, in seiner Situation noch an so etwas zu denken?
//Naja//, dachte er, //das lenkt mich immerhin für eine Sekunde ab.//



Laruna legte das Tuch beiseite und stand auf. "Fertig", sagte sie knapp und sammelte die übrigen Kräuter und Dinge zusammen, die sie vorne wieder abgeben musste. Dann fiel ihr Blick auf die Wasserschale und das Brot. Sie seufzte. Muss das denn jetzt auch noch sein?! Sie sah zu Durc. "Hunger?"


"Ja", antwortete er und unterdrückte ein Grinsen. Sie musste ihm etwas zu essen geben, ob sie wollte oder nicht. Und das, obwohl sie ihn wahrscheinlich am liebsten verhungern lassen würde. Das erfüllte ihn mit lächerlicher, diebischer Freude, die er sich gern durchgehen ließ - noch etwas, was ihn ablenkte.


Laruna funkelte ihn finster an, legte dann die Sachen wieder ab und ergriff das Brot und das Wasser. Sie trat zu Durc, kniete sich vor ihn auf den Boden und riss wütend das Brot auseinander. Dann hielt sie ihm ein Stück hin und wartete darauf, dass er es in den Mund nahm. Mit angespanntem Gesicht schaute sie auf den Boden neben sich.


Amüsiert griff er mit den Zähnen dannach und schlang den Brotkanten hungrig herunter. Sein Magen knurrte erfreut. Die dunklen Augen ruhten auf ihrem abgewandten Gesicht. Das Mädchen musste wohl sehr an ihren Eltern gehangen haben, zumindest sagte ihr Gesichtsausdruck das aus. Durc lachte leise. Sie sollte lernen, ihre Emotionen besser zu kontrollieren.
//Bei den Kaniern scheint auf Selbstbeherrschung nicht viel Wert gelegt zu sein//, überlegte er.



Laruna bemerkte Durcs leises Lachen und wandte sich blitzschnell zu ihm. "Was ist daran so komisch?", fauchte sie und ihre Augen glitzerten nun mehr. "Ist es so amüsant, wenn die Familie durch solch... Abschaum, wie Ihr es seid, getötet wird?" Sie warf dem Brot einen kurzen Blick zu, sah jedoch sofort wieder zu Durc. Sie griff nach einem weiteren Stück und hielt es ihm hin.


"Darüber lache ich nicht. Der Tod ist nichts, über das man lachen kann, oder besser gesagt können sollte", sagte er ernst und nahm das nächste Stück in den Mund; zwang sich, langsam zu kauen.


Laruna musterte Durc eindringlich und beruhigte sich ein ganz klein wenig. "Ja", sagte die junge Frau nach kurzer Zeit des Schweigens und hielt ihm die Schale Wasser hin.


Er trank gierig. Als die Schale leer war, leckte er sich einige Wassertropfen von den Lippen und sagte dann:
"Falls es dich beruhigt - wer auch immer von uns deine Eltern getötet haben mag, es wird an mir gerächt, wie dir vielleicht noch nicht aufgefallen ist."



Laruna musterte Durc prüfend. "Es geht nicht darum, dass es gerächt werden soll... Es geht auch nicht darum, dass es einer Euren Stammes gewesen ist- oder sogar ihr. Vielleicht war es auch ein anderer Clan der weiten Umgebung. Es geht darum, dass..." Sie brach ab und schluckte schwer. Eine einzelne Träne rollte ihr über die Wange und sie hielt ihm wieder das Brot hin. "Nicht so wichtig."


"...um die Tatsache, dass du sie verloren hast und dass dich das vor Trauer innerlich zerreißt?", beendete er ihren Satz, "ich bin zwar ein Mörder, aber nicht gefühllos. Ich weiß, wie sowas ist", murmelte er und aß das nächste Stück.


"Nein", sagte sie und schwieg einen Moment. "Sie haben nicht nur meine Eltern getötet..." Sie atmete tief durch. "Sie haben sowohl meine kleine Schwester als auch das Baby meiner Mutter getötet... Sie war gerade schwanger, als die Stadt überfallen wurde...", sagte sie leise und starrte gedankenverloren an die Wand. "Mein Vater hatte einen kleinen Gemüsestand auf dem täglichen Markt, wo er die Ernte unseres kleinen Hofs verkaufte. Meine Mutter war mit meiner Schwester gerade unterwegs, um ihn zu besuchen...", sie lächelte verträumt, "Wie er sich immer gefreut hat, als wir ihn besucht haben... Ich war gerade mit- mit-" Ihre Stimme brach ab. Einen Moment atmete sie mit geschlossenen Augen durch, doch ihr Luftholen zitterte. Sie öffnete wieder ihre Augen und ein, zwei weitere Tränen rollten langsam über ihre Wangen. "Ich war mit Neraiya ebenfalls auf dem Markt. Zufällig haben wir meine Mutter getroffen. Ich musste einer Freundin helfen, da ihr Mann krank im Bett lag. Daher hat meine Mutter Neraiya genommen und ich bin mit meiner Freundin losgegangen, um ihr zu helfen. Kurz darauf wurde die Stadt überfallen..." Sie schluckte schwer. "Niemand auf dem Marktplatz hat überlebt..." In Gedanken griff sie blind nach einem Brot und hielt es ihm wieder hin.


Durc beobachtete sie und lauschte ihren Worten. Als sie ihm das Brot hinhielt, aß er es, wieder gezwungen bedächtig, auf. Dann schluckte er und seufzte leise, als sie verstummte.
"Ich verstehe zwar nicht alles, was du da sagst", murmelte er mit Anspielung auf Worte wie Marktplatz und Gemüsestand, "aber aus dieser Perspektive..." Er schüttelte leicht den Kopf. So herum hatte er es noch nie betrachtet...



Laruna sah zu Durc. "Neraiya war meine Tochter", fügte sie hinzu, doch mitten im Satz brach ihre Stimme. Sie sah auf den Boden. Dann stand sie auf und stellte die Wasserschale zu den anderen Dingen.


Durc verengte die Augen zu Schlitzen. Eine Woge Mitleid überschwemmte ihn. Nunja, er hatte seine Mutter auch früh verloren und diese war keines natürlichen Todes gestorben, genauso wie seine Gattin, doch über beide Tode war er inzwischen hinweggekommen. Aber er konnte sich gut vorstellen, wie er empfände, wenn seine Tochter stürbe.
"Das tut mir leid", brummte er. //...jetzt wird sie sich wohl wundern, warum ich das nicht vorher schon gesagt habe, bei ihren Eltern...naja, zu spät.//



Laruna sah zu Durc und eine weitere Träne trat aus ihrem Auge heraus und rollte ihre Wange herunter. "Danke...", murmelte sie ein wenig hilflos und nahm die Sachen hoch und stemmte sie sich in die Hüften. "Ich komme dann morgen wieder vorbei..." Sie schniefte kurz.


Er nickte leicht.
"Bis dann", sagte er und lehnte sich gegen die Steinwand. In seinem Oberkörper pochte es, doch er versuchte das zu ignorieren.



Sie nickte, trat hinaus und schloss ab. Mit raschen Schritten ging sie zum Wärter und gab die Schüsseln ab.

"Alles gut gelaufen?"
Laruna nickte. "Ja, alles bestens."
Der Gefängniswärter runzelte die Stirn und musterte sie, drückte ihr dann jedoch den Lohn in die Hand. Laruna ergriff diesen, verneigte sich kurz höflich und eilte hinaus in die Dunkelheit.


Nachdem Laruna gegangen war, hatte er an den Ketten gezerrt, bis er erschöpft zusammenbrach und das Bewusstsein verlor. Das nächste Mal wachte er erst wieder auf, als seine Zellentür aufgeschlossen wurde. Müde öffnete er die Augen und blinzelte den Männern lahm entgegen. Doch diese Trägheit verschwand augenblicklich, als ihm wieder einfiel, was ihm nun bevorstand. Furcht schloss sich wie eine eiserne Faust um sein Herz und die Panik explodierte in seinen Venen, doch er kämpfte sie unter großer Willensanstrengung nieder. Es würde nichts nützen, seine Kräfte jetzt zu verschwenden. Er würde sie noch brauchen...
Kurz darauf waren sie in der Kammer angekommen, und er wurde ohne große Umschweife auf einen Stuhl gestoßen, dessen Armlehnen mit metallenen Dornen gespickt war. Seine Augen weiteten sich voller Schrecken, da packten zwei der Kerle bereits seine Arme und schnallten sie an besagte Armlehnen - allerdings nicht fest.
"Na, wirst du es uns heute sagen?", erklang eine männliche, hämische Stimme hinter ihm. Durc schüttelte den Kopf. Sein Herz jagte, und er fragte sich, wie lange er die Folter noch aushalten würde, wie viele Tage ihm noch blieben, bis er in den Wahnsinn verfallen würde.
Die Schnallen wurden fester gezurrt, und die kalten Spitzen drangen durch seine Haut. Blut lief an ihnen herab und sammelte sich auf dem von dem Lebenssaft bereits rotbraun gefärbtem Holz, sickerte langsam hinein. Die Luft entwich keuchend aus Durcs Lungen.
"Wo verstecken sie sich?"
"Dort, wo ihr sie niemals finden werdet", fauchte der junge Mann. Fast im selben Moment spürte er, wie sich die Stacheln tiefer in seine Arme gruben. Das selbe spürte er auch an seinem Rücken. Auch dort waren diese Dornen?! Er hatte sie zuvor nicht gesehen. Mit verzerrtem Gesicht kniff er die Augen zusammen. Tja, nun wusste er es. Aber bringen tat es ihm dennoch nichts.
"Ach komm, sag schon..."
Er schüttelte den Kopf, und sie rammten die Stacheln ein gutes Stück weiter in sein Fleisch. Durc schrie auf. Sein Bewusstsein wurde von einer roten Welle verschlungen, er spürte nur noch Schmerz - und dann nichts mehr.

"Mich wudnert, das der Kerl noch nichts verraten hat."
"Ja, mich auch. Ehrlich gesagt, ich hätte schon gesungen wie ein Vögelchen. Das muss man diesen Wilden lassen, sie haben einen starken Willen."
Raues Lachen. "Ja, aber den werden wir auch noch brechen, da bin ich mir sicher."
Metallisches Klicken. "Außer, er stirbt vorher." Ein weiteres Klicken, eine schwache Berührung an seinem Arm und erneut dieses hallende Klicken.
"Das will ich nicht hoffen." Ein viertes Klicken. "Aber möglich wäre es, so, wie es bisher aussieht."
Das Tappen von Leder auf Stein - Schritte? "Ach, keine Sorge." Helles, unangenehmes Quietschen. "Ich glaube nicht, dass er noch lange aushalten wird."
Ein Scheppern, das fünfte Klicken und Schritte. Die beiden Stimmen entfernten sich. Und wieder kam die beruhigende Finsternis, die ihn in ihre Arme aufnahm und von den Schmerzen, die in seinen Gliedern brannten, erlöste.



Auch an diesem Morgen wachte Laruna früh auf. Sie blieb noch lange liegen, und überlegte, wann sie heute zu Durc gehen sollte- oder ob sie überhaupt hingeht. Sie wurden gestern so von ihren Gefühlen übermannt, dass es ihr heute unangenehm war, sich einem Fremden gegenüber zu stellen, der alles genau mit angesehen hatte.
Was würde sie heute machen? Sollte sie wieder durch den Wald spazieren und neue Kräuter und Beeren sammeln? Oder sollte sie sich lieber wieder auf die zusammengefallene Stadtmauer niederlassen und wie gestern vor sich hin träumen?
Unentschlossen stand sie auf, packte ihre wenigen Habseligkeiten zusammen und schlenderte durch die Straßen der Stadt. Wie jeden Tag stank die Stadt bestialisch nach Dreck, Urin, Kot, verfaultem Gemüse und viele andere Gerüche, die zusammen nicht zum Aushalten waren. Da sie allerdings schon so viele Jahre hier lebte, nahm sie ihn gar nicht mehr richtig wahr.
Sie bog um eine Ecke und viele Glasscherben lagen dort. /Anscheinend hat die Stadtwache gestern ordentlich gefeiert.../, dachte Laruna angewidert und stieg in ihren klapprigen Sandalen über die Scherben hinweg. Sie war auf dem Weg zum abgelegensten Teil der Stadt, dem sogenannten 'Hof der Ruhenden'.

Der 'Hof der Ruhenden' wird der Ort der Stadt bezeichnet, wo die Bewohner des Toten beisetzen. 'Hof der Ruhenden' klingt schön und angenehm, als Zeichen dafür, dass der Tod keine Strafe, sondern eine Erlösung ist- man wird aus dem armen Leben der Stadt genommen.
Die Reichen nennen sich Platz einfach 'Totengräber', da sie an solchen Blödsinn wie Wiedergeburt nicht glauben. Sie sind der Meinung, sie täten etwas Gutes, weshalb sie ein langes und friedliches Leben haben werden, und später so oder so in ein noch besseres Leben kommen. /Blödsinn/, dachte Laruna grimmig.

Nach einiger Zeit erreichte sie den Stadtteil und blieb, wieder unentschlossen, vor diesem stehen. Früher hatte sie sehr viel mit ihrer Tochter über den Glauben der Kanier geredet. Zum Spaß hat Neraiya gesagt: "Mama, Mama! Später möchte ich auch verbrannt werden, und als hübsche Prinzessin wiedergeboren werden!" Vier Tage später war sie tot.
Laruna wischte sich mit dem Hemdärmel über die Augen und trat auf den Friedhof. Sie ging an einigen spontan konstruierten Grabsteinen vorbei und trat vor das ihrer Eltern. Tränen rollten über ihre blassen Wangen und sie rupfte zwei Blumen ab, die neben ihr wuchsen, und legte diese auf das Grab der beiden. "Möget ihr ein schönes Leben führen", murmelte sie traurig und trat einen Schritt zurück.
Die Leiche ihrer Tochter hat sie, um ihrer Tochter einen Wunsch zu erfüllen, gemeinsam mit einer Strohpuppe, die Neraiya haben wollte, bevor Laruna sie das letzte Mal sah, wenige Tage nach ihrem Tod verbrannt. Ihre Asche liegt in einer kleinen Schale aus Ton, an einem geheimen Platz unter der Erde.

Seufzend machte Laruna sich auf den Weg zum Gefängnis.


Der dunkle, betäubende Nebel verzog sich allmählich und das Bewusstsein kehrte in Durc zurück. Ein leises Stöhnen entrang sich seiner Kehle. Wie lange hatte er so dagelegen, gefangen irgendwo zwischen Leben und Tod, Wachzustand und Ohnmacht? Er konnte es nicht einschätzen. Vorsichtig bewegte er seinen Arm, und sofort loderte Schmerz überall in seinem Torso auf. Er schrie leise auf, Tränen schossen ihm in die Augen und er entspannte seine Muskeln rasch wieder. Nach einigen Sekunden begann der Schmerz wieder abzuklingen.
"Verdammt. Verdammt, verdammt, verdammt!", hauchte er leise.




Laruna glitt durch Durcs Gittertür. "Hallo", sagte sie und stellte die Dinge wie so oft ab. Sie trat neben ihn, stellte die Öllampe, die nun heller schien als die letzten Tage, neben ihn und kniete sich vor ihn. "Und? Was haben sie heute ge- oh mein Gott!", stieß sie erschrocken hervor, als sie seine Arme sah. "Oh mein Gott." Sie sprang auf und holte rasch das nasse Tuch und die Schale. Sie stellte alles neben ihn und nahm vorsichtig seinen Arm. Mit mitfühlendem und angewiderten Gesichtsausdruck begann sie den Arm ganz vorsichtig auszuwaschen, um ihm möglichst nicht weh zu tun- gestern war vergessen.


Undeutlich nahm er wahr, wie sie die Zelle betrat. Der Boden vibrierte schwach, als sie die Sachen abstellte - zu schwach, als dass ein Mensch es normalerweise gespürt hatte, doch im Moment war sein Tastsinn der, der am stärksten war. Er hörte eine weibliche Stimme etwas sagen. Laruna? Langsam öffnete er die Augen, dann spürte er schon den kalten Lappen auf seinem Arm. Der Schmerz explodierte bei der Berührung und krallte sich heftig in seinen Arm. Gequält und leise schrie er auf.


Laruna erschrak bei seinem Aufschrei. "Oh Gott, entschuldigt bitte", murmelte sie aufgewühlt und wickelte das nasse Tuch um den ersten Arm, damit dieser gekühlt wird. Dann nahm sie den anderen Arm. "Tut es sehr weh?" Im nächsten Moment biss sie sich auf die Lippe. Blöde Frage!


Der Schmerz vertrieb den sanften Schleier, der sich noch immer um sein Bewusstsein spann, und er bekam seinen Körper wieder unter Kontrolle. Kalter Schweiß lief über seinen Rücken und brannte in den Wunden, um die sich ein dicker Schorf gebildet hatte. Er fühlte sich schwach und unheimlich ausgelaugt, was er auf den hohen Blutverlust zurückführte. Gefühle, Erinnerungen und Gedanken waren aus seinem Kopf herausgewischt, sodass nur noch Leere übrig war. Dumpf starrte er ins Nichts vor sich, während sein Körper gegen die Ketten gelegt halb in der Luft hing.


Keine Antwort. /Das kann doch nicht sein.../ Sie wickelte auch das zweite Tuch um den anderen Arm. "Durc... Hallo? Hört Ihr mich?" Hilflos ließ sie ihren Blick durch die Zelle schweifen. Er blieb an dem Wasserkrug haften. Stirnrunzelnd sah sie zum Kurz, dann zu Durc und wieder zum Krug. Schnell lief sie zu dem Krug, hob ihn auf und stellte sich vor Durc. "Das könnte klappen..." Und schon lief ihm das kalte Wasser über den Kopf.


Durc zuckte heftig zusammen und brachte sich reflexartig vor dem Wasserstrahl in Sicherheit. Sein Körper war zwar ohnehin schon kalt, aber das Wasser weckte ihn halbwegs. Sein Blick klärte sich. Irritiert sah er auf, erblickte Laruna. Erstaunt registrierte er, dass er sich in seiner Zelle befand. Dumpf erinnerte er sich an die Zeit, die vergangen war, seit er in die Folterkammer gebracht worden war, doch es war wie die verblassende Erinnerung an einen Traum. Doch sein Verstand kam wieder zurück und analysierte die Situation kurz, bis die nächste Schmerzwelle über ihn hereinbrach. Er stöhnte leise. Warum konnte das nicht aufhören?! Er musste hier dringend raus...


Laruna seufzte erleichtert. "Ihr lebt", sagte sie und betrachtete die anderen Wunden. "Na, das sieht doch schon besser aus...", murmelte sie und sah dann wieder zu den Fingern. "Tun sie noch sehr weh?"


Wie durch Wasser hindurch hörte er ihre Worte. Angestrengt kniff er die Augen zusammen, versuchte zu verstehen was sie sagte. Immer deutlicher wurde die Stimme, bis er letztendlich auch einzelne Wörter auseinanderhalten konnte.
"...noch sehr weh?"
Sein Bewusstsein schien sich immer schneller zu erholen, und er schaffte es sogar, den Mund zu öffnen und etwas über die aufgesprungenen Lippen zu bringen.
"Was?"



Laruna musterte ihn kritisch. "Ihr seht schlimm aus. Ich habe gefragt, ob Ihre Finger noch sehr weh tun." Sie hockte sich hin, um ein weiteres nasses Tuch aufzuheben.


"Ich spüre nur den Schmerz in Rücken und Armen", nuschelte er undeutlich und versuchte, sich so wenig wie nur möglich zu bewegen.


Laruna sah auf und versuchte, ihm zu folgen. "Klingt ja nicht sonderlich..." Sie brach ab und begann, seine Stirn mit dem nassen Tuch abzutupfen. "Ihr habt Fieber...", sagte sie leise. "Ihr habt Mut, das muss man Euch lassen." Sie nickte anerkennend.


"Ich bin nur kein Verräter", brummte er und befeuchtete seine ausgetrockeneten Lippen mit einer leicht angeschwollenen Zunge. Behutsam versuchte er dann, sich in eine bequemere Lage zu bringen.


Laruna nickte. "Bemerkenswert...", nuschelte sie und betrachtete ihn genauer. "Habt ihr sonst noch irgendwelche Wunden, die behandelt werden sollten?“ Sie nahm die Tücher seiner Arme ab.


Er bleckte beim Versuch eines Grinsens die Zähne, doch es missglückte und wurde zu einer gequälten Grimasse.
"Rücken", sagte er nur und beugte sich behutsam einige Zentimeter nach vorn, sodass sie seine mit zahllosen Stichwunden gespickten Rücken erkennen konnte.



Laruna betrachtete den Rücken und ihre Augen weiteten sich. "Sehr schön", nuschelte sie wieder ironisch und wusch die Tücher kurz durch. "Es ist wirklich bemerkenswert, was Sie für Schmerzen auf sich nehmen, nur um Ihre Tochter bzw. ihr Volk zu schützen." Ihre Stimme klang traurig. "Nicht jeder hätte das getan." Sie wandte sich wieder seinem Rücken zu und begann, diesen wieder sorgfältig abzuwischen. Danach legte sie wieder einige Kräuter auf seinen Rücken.

"Ich denke, jeder aus meinem Clan hätte das getan. Wir sind eine Sippe, eine Familie", presste er zwischen seinen Zähnen hervor. Er musste sich sehr zusammennehmen, um nicht zu schreien.


Laruna nickte. "Verstehe." Sanft drückte sie die Kräuter fester auf den Rücken. "Es könnte sich schwer entzünden..."


Leise und unterdrückt keuchte er auf, als sie fester auf seine Wunden drückte.
"Dann sterbe ich wenigstens."



Sie musterte ihn. "Und Eure Tochter? Was ist mit ihr? Wollen Sie ihr das wirklich antun? Ohne Eltern aufzuwachsen?" Sie ging zog die Kräuter ab und ging wieder zum Kübel Wasser, wo sie die Tücher erneut wusch.


„Sie wird damit klarkommen. Der Rest des Clans kümmert sich gut um sie. Glaubst du wirklich, ich komme lebend aus dieser Stadt? Entweder, die Folter tötet mich oder ihr richtet mich hin", spottete er. Natürlich würde er alles versuchen, hier lebend herauszukommen, aber die Chance dazu war zugegeben nicht besonders hoch.

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„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“
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BeitragThema: Re: Nudeln mit Tomatensauce (Layana et Cynthia)   Mi März 24, 2010 7:00 pm

Laruna nickte. "Ihr habt Recht..." Sie legte ihm das Tuch um die Schultern, damit die Kühle die Schmerzen seines Rückens etwas besänftigten- bei anderen Gefangen hat dies oftmals schon Wunder bewirkt. Ein weiteres Tuch legte sie ihm auf die Stirn, damit sein Fieber etwas geschwächt wird. "Wenn ich ehrlich bin... Ich wäre überrascht, wenn Sie noch weitere drei Tage überleben", sagte sie leise.


Er lachte leise und bitter. Seine Stimme klang rau und abgenutzt.
"So schnell würdet ihr jemanden sterben lassen, der euch das Versteck eurer Feinde verräten könnte?"



Sie blickte ihn verwundert an, dann begriff sie. "Nein, nicht dass sie euch sterben lassen- ihnen bringt es Spaß. Aber ich meine... Eure Wunden! Schauen Sie sich auch doch mal an!" Sie schüttelte den Kopf. "So sehr konnten sie noch nie einen quälen..."


"So viel Spaß es auch machen mag, es ist euch doch sicher wichtiger, zu erfahren, wo der Clan lebt, oder nicht? Ich meine, es könnte ja sein, dass ich es euch doch noch verrate", sagte er schnell und ohne viel nachzudenken. Diese winzige Hoffnung der Flucht wollte er sich nicht nehmen lassen - er wollte doch überhaupt nicht sterben!


Laruna runzelte die Stirn. "Mag sein", murmelte sie und wechselte die Kräuter. "Ich kümmere mich nur um die Gefangenen. Wie oft und auf welche Weise sie diese quälen, jagt mir jedes Mal einen Schrecken ein."


Durc biss sich auf die Lippen. Er hätte zu gern mehr über die Pläne, die ihn betrafen, erfahren, doch das war ihm leider nicht möglich. Er musste also ausharren, hoffen, die Schmerzen ertragen und die Ketten weiter lockern. Er durfte nur nicht aufgeben.


Laruna schwieg, während sie ihn weiterhin behandelte. "Nehmen die Schmerzen der alten Wunden denn schon langsam ab?", fragte sie, nachdem sie das Tuch von Durcs Stirn nahm.


"Die neuen sind schlimmer als die alten, daher merke ich sie nur, wenn ich dagegen stoße oder so", murmelte er. Seine Stimme wurde immer heiserer, und immer häufiger musste er husten und sich räuspern.


Laruna nickte mitfühlend. "Ich kann mir eure Schmerzen gar nicht vorstellen", murmelte sie mitfühlend und nahm das Brot und das Wasser. Sie riss das Brot in Stücke.


Darauf schwieg er. Seine Kehle brannte, sie war wund vom vielen Schreien. Er wollte nicht riskieren, sie durch zu vieles Sprechen aufzureißen, da er annahm, dass er dann am eigenen Blut ersticken würde.


Laruna hielt ihm ein Stück Brot hin, hielt allerdings inne. Sie musterte ihn forschend. "Wollt ihr zuerst etwas trinken?", sagte sie und deutete auf den Krug Wasser.


Das schien ihm eine gute Idee zu sein, denn das Wasser würde seine trockene Kehle befeuchten. Also nickte er.


Laruna nickte ebenfalls kurz und nahm dann den Krug in beide Hände. Langsam und vorsichtig legte sie diesen an seine spröden Lippen und hob den Krug ebenso langsam 'hoch'.


Er öffnete den Mund leicht und schluckte das kalte Nass gierig. Wie Feuer brannte es in seinem Hals, doch es war ein angenehmes, heilendes Feuer. Eine scharfkantige Kerbe am Tonkrug riss seine Unterlippe auf, doch kein Blut drang aus der nahezu farblosen Haut.


Laruna zog den Krug wieder weg. Dann seufzte sie und zog ein Tuch wieder durch das Wasser. "Keine Angst, es blutet nicht. Aber Wasser wird es ein wenig kühlen", sagte sie und tupfte vorsichtig seine Lippen ab.


Er brummte etwas Unverständliches. 'Kühlen' war das richtige Wort - das Wasser war eisig.


Laruna legte das Tuch beiseite und hielt ihm ein Stück Brot hin. "Iss", forderte sie ihn auf.


Noch während sie den Mund zum sprechen öffnete, biss Durc in den Brotkanten und schlang das Stück herunter. Es kratzte in seinem Hals, doch es war eine Wohltat, etwas in den Magen zu bekommen.


Mit hochgezogenen Augenbrauen betrachtete sie ihn. "Ihr habt aber Hunger", stellte sie fest und reichte ihm das nächsten Stück.


"Wundert dich das wirklich? Schließlich bekomme ich täglich nur einen Laib Brot, oder in was für Abständen du auch immer kommst", brummte er müde.


Laruna überging sein Kommentar einfach und hielt ihm das letzte Brotstück hin. Als auch dieses vertilgt war, ergriff sie den Wasserkrug, um ihm den letzten Schluck zu geben. "Mal sehen, welche Qualen sie morgen für Euch haben", murmelte sie vor sich hin.


Er trank das Behältnis bis auf den letzten Tropfen aus.
"Ich freue mich schon darauf", murmelte er und leckte sich die Flüssigkeit von den Lippen.



Laruna musterte Durc einen Moment ausdruckslos. "Ich erinnere euch morgen daran", sagte sie mit unverkennbarem Sarkasmus in der Stimme. Dann packte sie ihre üblichen Dinge - Tücher, Schalen, Kräuter - zusammen. "Ich komme morgen wieder", sagte sie und trat zur Tür.


Er antwortete mit einem undeutlichen Murmeln und versuchte, sich in eine angenehmere Lage zu bringen, doch wie auch immer er sich hielt, er hatte immer Schmerzen. Schließlich gab er es auf und wartete geduldig auf den Schlaf oder die Ohnmacht, was auch immer zuerst kommen würde.


Leise schloss sie die Tür hinter sich und ging wieder zum Eingang des Gefängnisses. Ohne auf den Wärter zu warten, legte sie ihre Sachen wieder weg, schnappte sich die wenigen Münzen, welche bereitgelegt wurden, und verschwand in der nun hereinbrechenden Dunkelheit.


Als er diesmal aufwachte, waren da weder Wachen noch die Folterkammer, noch Licht - er war ganz allein in seinem winzigen Verlies. Das erstaunte ihn. War er früher erwacht? Oder würden sie ihn heute nicht holen kommen? Rasch verscheuchte er die Gedanken. Die Kraft sollte er besser anders nutzen, sagte er sich, und legte sich so stark wie möglich in die Ketten. Sofort schossen ihm bestialische Schmerzen durch jede Faser seines Leibes; gerade rechtzeitig konnte er einen Schrei unterdrücken. Die Wunden an seinen Hand- und Fußgelenken wurden durch die Ketten wieder aufgescheuert, Blutrinnsale flossen wie kleine Bäche an seinen Armen und Füßen entlang zu Boden. Die Bolzen knarrten geräuschvoll.

"He, Repol!"
Der dickliche, käsehäutige Mann, der hinter dem klobigen Tisch in der Mitte des schäbigen Raumes saß, wandte sich zu dem Jüngeren um. "Was willst du?"
"Ich soll dir sagen, dass du demjenigen, der sich um diesen Wilden kümmert, sagen sollst, dass derjenige dem Wilden...-"
"Komm zur Sache! Ich hab nicht den ganzen Tag Zeit!", rief er und schlug dabei demonstrativ auf die Papierstapel, die sich vor ihm auftürmten.
Der Soldat verzog beleidigt die Mundwinkel. "...Er soll heute mehr zu essen bekommen, damit er sich wieder erholt und nicht zu schnell wegstirbt."
"Heißt das, er wurde heute nicht gefoltert?"
"Das heißt es."
"Sauerei!", beschwerte er sich und wandte sich wieder seinen Unterlagen zu.
Der andere nickte grinsend. "Stimmt", meinte er und verließ den Raum.

Inzwischen war Durc wieder zurückgesunken; seine Kräfte waren verbraucht. Sein Körper fühlte sich völlig kraftlos an, aber er war zufrieden, etwas geschafft zu haben.



Den Vormittag verbrachte Laruna damit, über den Marktplatz zu schlendern. Hier und da blieb sie stehen, um einige Dinge näher zu betrachten, ging dann weiter und kaufte sich etwas zu Essen. Gegen Mittag, die Sonne stand an ihrem höchsten Punkt, beschloss sie, sich in den kühlen Wald zurückzuziehen. Heute war es, im Gegensatz zu manch anderen der vergangenen Tage, ziemlich warm und die feuchte Kühle des Waldes war angenehm auf der Haut.
Lange Zeit verging, ehe Laruna umkehrte, um die heutige Schicht der Gefängnisarbeit anzutreten.

"Nabend", sagte der Gefängniswärter beiläufig als Laruna eintrat. "Bei dem Kerl, der den Überfall auf die Stadt vor einigen Tagen verursachte: Heute kriegt er mehr Wasser und Brot. Nimm zwei Laibe Brot mit, das muss reichen. Das Wasser kannst du heute ausnahmsweise in den großen Krug füllen."
Laruna runzelte die Stirn, nickte jedoch. "Ihr seid heute aber großzügig", stellte sie ungläubig fest und begann, die Dinge zusammenzusammeln.
Der Wärter grinste hinterlistig. "Wir wollen doch, dass er morgen wieder gesund ist..." Mit einem vielsagenden Blick ging er an der Frau vorbei und ging eiligen Schritts nach draußen.
Sie runzelte die Stirn und sah ihm nach. Mit mitfühlenden Augen packten sie die Sachen weiter zusammen. Wie froh man doch als normaler Bürger sein kann, nicht gefoltert zu werden. "Wir beschweren uns darüber, was wir nicht haben, ohne überhaupt zu wissen, was wir haben", murmelte sie und ging wie üblich die ihr zugeteilten Zellen ab. Zu letzt kam Durc dran. Sie holte zwei neue Laibe Brot, das Wasser und Heilkräuter.
"Hallo", begrüßte sie Durc, als sie die Gittertür zu seiner Zelle aufschloss.


Als Durc Larunas Stimme hörte, hob er vorsichtig den Kopf an und sah sie zwischen den schmutzigen, strähnigen Haaren, die ihm ins Gesicht hingen an.
"Hallo", erwiderte er heiser.



Die junge Frau trat ein und schloss die Tür erneut hinter sich. "Mir wurde zugeteilt, Ihnen heute mehr Wasser und Brot zu geben", sagte sie ein wenig unsicher und stellte die Dinge wie so oft auf den Boden ab. Dann zog sie zwei Laibe Brot aus ihrem Mantel und legte sie daneben. "Was machen die Wunden?"


"Schmerzen. Heilen", antwortete er, ohne mehr als seine Lippen zu bewegen.


Laruna verzog das Gesicht und trat vor Durc, um seine Wunden näher zu betrachten. "Die Wunden heilen gut... Die anderen allerdings kaum", stellte sie fest und erfasste den Wasserkrug, um ihn vorsichtig zu Durcs Lippen zu führen. "Trinkt erstmal ein wenig."


Er kam der Aufforderung dankbar nach.


Sie stellte den Wasserkrug, der noch nicht geleert war ab, und brach ein Stück Brot ab, um ihm dieses ebenfalls wieder hinzuhalten. Mit der anderen Hand suchte sie schon mal ein paar Kräuter zusammen.


Er aß gierig. Sein Magen rumorte erwartungsvoll, als er daran dachte, dass sie heute mehr Nahrung als gewöhnlich mitgebracht hatte. Sie wollten ihn wohl noch nicht sterben lassen; umso besser...


Laruna bemerkte sein gieriges Verhalten und wandte sich ihm wieder zu. "Da scheint einer aber wieder Hunger zu haben", stellte sie mit einem leicht sarkastischem Unterton fest.
Nachdem das erste Brot verschlungen war, ergriff die junge Frau wieder eins der Tücher und begann, das vertrocknete Blut, welches aus den Wunden geströmt war und nun auf Durcs Haut vertrocknet war, abzuwischen.


"Und wie", meinte er und verkrampfte sich leicht, als der Stoff seine Haut berührte. Nach einer Weile fragte er: "Haben sie wieder angegriffen?"


Laruna warf Durc einen flüchtigen Blick zu. "Ich denke, ihr meint euren Stamm?" Sie ging einen Schritt zur Seite, ging in die Knie und wusch das Tuch aus. Dann stand sie wieder auf, drehte sich zu Durc um und betrachtete ihn einen kurzen Moment. "Nein." Dann trat sie einen Schritt heran und behandelte weiter seine Wunden.


Er runzelte leicht missmutig die Stirn. "Auch nicht in den anderen Städten?", fragte er dann hoffnungsvoll.


Laruna zuckte mit den Schultern. "Sagen wir so: Ich habe nichts mitbekommen. Vielleicht behält die Regierung es geheim", begann sie und fuhr mit sarkastischem Unterton fort: "Da sie damit prahlen wollen, Euch gefangen genommen zu haben, und dass die Angriffe dadurch ganz aufhören. Ich weiß es nicht."


"Dadurch hören die Angriffe erst recht nicht auf. Sie werden kommen, um meinen Tod zu rächen", sagte Durc mit einem leichten Lächeln auf den Lippen.


"Das denke ich auch", sagte Laruna matt. //Lieber sollte die Regierung dich töten und die vielen potenziellen Opfer unserer Stadt nicht der möglichen Rache des Stammes aussetzen. -.- Nein, am besten den ganzen Stamm ausrotten.//
Sie sah irritiert auf und schüttelte den Kopf. //Verwirf den Gedanken!//


"Wieso schüttelst du den Kopf?", fragte er irritiert.


Laruna sah auf. "Ich habe nur grade gedacht, dass..." Sie strich sich mit der Hand eine Strähne hinter's Ohr. "Nein, nicht so wichtig."


"Doch. Sag es mir", bat er sie.


Laruna musterte ihn einen Augenblick und stampfte dann wütend auf. "Ich habe gedacht, dass sie Euch und Euren Stamm lieber gleich töten sollten. Dann besteht nicht mehr die Gefahr, von Euch angegriffen zu werden", erklärte sie mürrisch und wandte sich wieder den Kräutern zu.


"Das ist doch auch ihr Ziel, oder nicht? Das Problem ist, dass sie nicht wissen, wo sie uns finden können."


"Ja, aber ich meine jetzt", erklärte sie ein wenig verlegen. "Heute, vielleicht auch morgen, versteht Ihr?" Unsicher sah sie zu ihm auf, wandte jedoch schnell den Blick ab. "Ihr habt Recht... Sie werden Euch so lange foltern, bis Ihr Euren Stamm verratet, Euch töten und dann Euren Stamm ebenfalls töten."


Durc lachte leise, mit einer Spur Bitterkeit in der Stimme. "Nein, das werden sie nicht. Das wird nicht funktionieren."


Sie zuckte mit den Schultern. "Aber so werden sie es vor haben. Mit Sicherheit." Dann schwieg sie einen Moment. "Ob Ihr es ihnen verraten werdet, ist etwas anderes."


"Ja, und genau das werde ich niemals tun. Würdest du diese Stadt verraten an meiner Stelle?"


Laruna betrachtete ihn einen Moment, wandte sich dann jedoch wieder seinen Wunden zu. "Ihr habt Recht. Diese Stadt ist mein zu Hause, euer Stamm ist eure Familie. Niemand von uns wird seine Familie verraten."


"Heh, bei euch Kaniern bin ich mir da alles andere als sicher. Die Männer, die mich foltern, staunen jedes Mal mehr über mich. Und in den Clans hört man oft von gefangenen Kaniern, die alles ausplaudern, was man wissen oder nicht wissen will, ohne dass man sie auch nur einmal hart angepackt hätte."


Laruna rümpfte ein wenig schnippisch die Nase und presste das feuchte Tuch kräftig gegen eine seiner Wunden. "Wie schon vor einigen Tagen gesagt: Nicht alles Kanier sind so."


Er zuckte zurück und schrie gleichzeitig auf. Von der plötzlichen Bewegungen riss der Schorf auf, und dünnes, ungesund helles, dickflüssiges Blut floss hervor. Verärgert presste er die Lippen aufeinander.


Laruna warf ihm einen vernichtenden Blick zu, sagte jedoch nichts weiter, sondern behandelte die Wunden weiter.


"Was siehst du mich so an? Du bist diejenige, die mir Schmerzen zufügt, nicht umgekehrt!", knurrte er. Es klang beängstigend; als würde er ihr jeden Moment an die Kehle springen.


"Ihr habt es auch nicht anders verdient", murmelte sie unverständlich. Trotz dieser kleinlauten Bemerkung sah sie Durc ein wenig eingeschüchtert an. "Was machen die Finger?"


Er überging ihre erste Bemerkung und sagte in noch immer knurrenden Ton: "Ich spüre sie nicht, andere Wunden schmerzen stärker."


Laruna nickte schwach und spürte eine sanfte Woge Mitleid. //Welch Schmerzen er haben muss//, dachte sie. Würde sie solche Schmerzen aushalten, damit ihre Stadt geschützt ist? Sie bezweifelte es. Natürlich, anfangs würde sie es auf keinen Fall verraten, aber bevor sie so zugerichtet wird? Nein, so viel tat die Regierung bisher auch nicht für ihre Bewohner. Wieso sollte ausgerechnet sie so viel Schmerzen ertragen? Es würde eh niemanden interessieren.
Sie verteilte die nächsten Kräuter auf den Wunden.


Durc hing leicht apathisch in den Ketten und starrte vor sich hin. Ab und an sah man einen Muskel zucken oder sich verziehen, wenn diese sich zu verspannen drohten, abgesehen davon bewegte er sich nicht. Das würde er später nachholen, wenn Laruna weg und die Salben eingezogen waren - dann würde er erneut die Ketten lockern, die ihn an diesen Ort banden.


"Was glaubt Ihr, wie es Eurer Tochter geht?", fragte sie nach einiger Zeit der Stille vorsichtig.


"Furchtbar. Immerhin ist ihr unfähiger Vater gegen die Kanier gefallen", antwortete er, das 'Kanier' aussprechend, als spräche er von etwas widerwärtigem, abstoßendem.


Laruna warf ihm einen zornigen Blick zu. "Schön", meinte sie nur matt und drückte wieder etwas fester auf seine Wunden.


Er schrie erneut auf und stieß einen Schwall harter Zischlaute aus; Worte aus seiner Sprache, die sie nicht verstehen konnte. Nur, dass es Flüche waren, war offensichtlich.


Sie zog die Kräuter wieder von seinen Wunden und legte diese beiseite. "Ich dachte, ihr hieltet sonst auch soviel aus", meinte sie leise, und spürte, wie eine erneute Woge des Zorns in ihr aufstieg. Sie schloss für einen Moment die Augen und atmete tief durch. "Haben wir nicht auch ein Recht dazu, zu leben?", fauchte sie ihn an und stellte sich trotzig ihm gegenüber. "Nicht alle Kanier sind schlecht. ... Ja, sie quälen euch noch mehr, indem sie Eure Wunden behandeln lassen und euch somit weiter quälen zu können. Soll ich Eure Wunden gar nicht mehr behandeln? Sie können euch auch jemand anderes schicken, der sich um Euch kümmert! Der wird mit Sicherheit nicht so viel Rücksicht nehmen!"
Sie kniete kurz nieder, hob weitere Kräuter auf und wandte sich wieder zu Durc.


"Bei solchen Schmerzen würdest du auch schreien und fluchen, glaub mir", knurrte er, "das einzige, was ich zurückhalte, sind die Informationen, die ihr wollt." Als er ihren Worten zuhörte, musste er fast lachen. "Was redest du da für Unsinn? Wir töten euch nicht, weil ihr Wunden behandelt, sondern weil ihr dieses Land zerstört. Ihr fügt der Großen Mutter Schmerzen zu, und dadurch verwirkt ihr euer Recht auf Leben. Wir dienen der Natur und beschützen sie vor euch Monstern.“


aruna sah ihn wütend an. "Ich habe nie behauptet, Ihr tötet uns, da wir Eure Wunden behandeln." Sie stellte sich noch aufrechter hin. Dann sah sie Durc mit großen Augen an. "Monster? Ihr bezeichnet uns als Monster?! Auch wir haben ein gewisses Recht zu leben!", verteidigte sie sich und klatschte ihm das Tuch wütend auf die Haut.


Wie erwartet schrie er wieder auf. Das Tuch traf auf eine Stelle an seiner Brust, an der eine Brand- und eine Schnittwunde zusammenliefen. Der Schorf riss auf, dünnes Blut und dickflüssiger Eiter quollen hervor. Er würgte und hustete, sodass ihm Blut und Speichel zwischen den trockenen, aufgerissenen Lippen hervorrann. Doch nach weniger als einer Minute verzog er sie schon wieder zu einem Grinsen.
"Ah, vielleicht hast du recht. Ohne ein paar Monster würde das Leben nicht funktionieren. Ihr Kanier seid wohl eher zu vergleichen mit nutzlosem Ungeziefer, mit niedrigen Schmarotzern, die nur nehmen und niemals geben", brachte er mühsam hervor und lachte rau.



Laruna sah ihn erneut finster an. "Ungeziefer? Schmarotzer? Wie freundlich Ihr aber wieder seid", stelle sie mürrisch und sarkastisch fest. "Und wie sollen wir Euch bezeichnen?" Sie kniete sich hin, wusch das Tuch aus. Dann knallte sie es ihm wieder gegen die Brust.


Wieder ein Schrei, und er spie erneut blutgetränkten Speichel aus, der auf ihre Hand tropfte. Er lehnte sich erschöpft zurück. Die Ketten rasselten.
"Wie wäre es mit...", begann er, musste jedoch erneut husten, "..Schwerter der Großen Mutter?"



Angewidert betrachtete sie ihre Hand. "Könntet Ihr vielleicht ein wenig Rücksicht nehmen?", fragte sie ihn wieder böse, diesmal aber lauter als zuvor. Die Ironie war hierbei allerdings nicht zu überhören.
"Wie bitte? Schwerter der Großen Mutter?!" Sie wischte ihre Hand an ihrem Kleid ab. "Soweit kommt es noch." Sie griff nach weiteren Kräutern und knallte ihm diese - wie das Tuch zuvor - auf die nun wieder offenen Wunden.


Die Schreie in seiner Kehle wurden durch ein hohl klingendes Lachen erstickt.
"Du erwartest Rücksicht von mir? Sieh, was du tust!", sagte er, und, nach einer Atempause fügte er zischend hinzu: "Wenn du die Wunden nur wieder öffnest, kannst du auch verschwinden."



Laruna sah auf. "Glaubt mir, das hatte ich sowieso vor." Sie drückte die Kräuter wieder an seine Wunden und packte diese dann wieder zur Seite. "Ich werde dem Gefängniswärter sagen, dass sie Euch jemand anderen schicken sollen, der sich um euch kümmert", sagte sie, während sie ihre Sachen zusammenpackte. "Ihr werdet ja schon sehen."
Sie ging zur Gittertür, öffnete diese und ging hinaus. Hinter sich schloss sie diese ab und machte sich auf den Weg Richtung Gefängniswärter.


"Mach dir keine falschen Vorstellungen, Mädchen, es ist völlig egal, wen du mir schickst. Im Vergleich zu euren Folterknechten seid ihr alle nichts", sagte er, als sie ging. //Teh, was versuche ich eigentlich zu erklären? Als würde diese kleine Närrin begreifen. Selbst meine kleine Tochter ist erwachsener als sie!//


Laruna beachtete ihn nicht weiter, sondern ging zum Gefängniswärter, um mit diesem zu bereden, dass sie sich erstmal für eine Zeit aus dem gesamten Gefängnis-Dienst zurückziehen möchte.
Der Gefängniswärter musterte sie eindringlich. "Verstehe... Nun gut, in Ordnung. Ich werde mich darum kümmern, eine geeignete Vertretung zu finden."
Die junge Frau nickte. "Vielen Dank." Damit ging sie auch schon hinaus.


Seufzend sackte er zurück. Es war ungewöhnlich still...keine Schmerzensschreie von fern, keine gebrüllten Befehle, kein erschöpftes Stöhnen oder Gerumpel. Nicht einmal die Ratten raschelten durch die schmutzigen Gänge. Für Durc war die Ruhe erholsam, obgleich das Schweigen alsbald in seinen Ohren zu drücken begann. Gleichzeitig stieg jedoch auch wieder die Verzweiflung, die Hilflosigkeit in ihm auf. Er machte sich Vorwürfe; er hatte seinem Volk Schande bereitet - er hatte sich von den schändlichen Kaniern besiegen lassen! Wie konnte er jemals zu ihnen zurückkehren? Und wie dachten sie nun von ihm? Angst schnürte seine Brust zu, Unsicherheit sandte Kälte durch seinen Leib. Und Hass, Hass auf sich selbst; weil er seine Familie, seine geliebte Familie und seinen Clan im Stich gelassen hatte. Er hatte seine Pflichten gebrochen, war seiner Verantwortung nicht gerecht geworden. Nun hing er hier, in Ketten gelegt, und sehnte sich nach seinem Zuhause; den Menschen, der gewohnten Umgebung. Er dachte an den dichten Wald, den Duft von Moos und Harz. Die scheuen Tiere, die in dem Meer der Bäume und auf den endlosen Graslandschaften hausten. Seine Gedanken wnderten zu den Behausungen, in denen sie lebten; deutlich sah er die im Wind wehenden Felle, die aus geraden Ästen zusammengebauten Holzgestelle, in denen die abgezogenen Felle von Kleintieren zur Trocknung hingen. Er sah jene Menschen, mit denen er Tag für Tag zusammen verbracht hatte, mit denen er so viel durchgemacht hatte, über das plattgetretene Gras gehen, und mitten zwischen ihnen seine kleine Tochter, und neben ihr seine längst tote Frau. Ein langgezogenes Wimmern entfuhr seinen Lippen, während der psychische Schmerz den physischen vertreb.

Keol hob den Kopf und lauschte. Was war es, was er da hörte? Verwirrt runzelte er die Stirn. Doch bevor er weiter über das Geräusch nachdenken konnte, trat ein stämmiger, grimmiger Mann an ihn heran.
"Keol, mach dich bereit. Wir werden bald angreifen."
Folgsam nickte der junge Mann und rollte sich auf die Knie. Mit flinken Fingern machte er sich daran, sein Fell zusammenzurollen und die wenigen Utensilien, die er ausgepackt hatte, wieder in den aus Binsen geflochtenen Korb zu verpacken und die komplizierten Metallverschlüsse daran zuzumachen. Nicht weit von ihm begannen auch die anderen mit selbigem, und nicht lange darauf stand die Truppe aus mit kleinteiligen leichten Metallpanzerungen geschützen und mit mächtigen Schwertern ausgerüsteten Krieger bereit zum Aufbruch. Als sie sicher waren, nichts zurückzulassen als niedergedrücktes Gras, gingen sie los. Es war kein langer Weg mehr zu ihrerm Ziel.
"Was meinst du, Keol", sprach den Jungen ein etwa Gleichaltriger an, der seinem Clan angehörte und den er somit schon seit seienr Geburt kannte, "haben die anderen schon zugeschlagen?"
"Wer vermag das zu sagen? Wir haben uns in so zahlreiche Horden zersplittert. Ich hoffe, dass nicht noch mehr Gefangene genommen werden."
"Selbst wenn das geschieht; diese würden nicht lange in Fesseln bleiben, denn wir sind dabei, dieses Land von den Kaniern zu befreien!" Zuversichtlich lachte der Mann. "Von Osten und von Westen greifen alle gleichzeitig an. Es wird nicht mehr lange dauern, dann werden sie vernichtet sein!"

Kaum waren Keol und der Rest seiner Gruppe aufgebrochen, fielen die letzten Soldaten einer Stadt nördlich davon. Ein einziger Überlebender, ein verarmter Handelsmann, zappelte in den Armen eines Kriegers, der angeregt mit Umstehenden diskutierte.
"Warum sollen wir ihn laufen lassen? Die Kanier werden Gelegenheit haben, sich auf unsere Angriffe vorzubereiten! Und sie werden Einheiten nach Osten schicken."
"Und ebendies ist doch das Ziel! Die Windclane im Westen sind keine Krieger, und auch die Nyenen sind nicht mächtig. Es ist besser, wenn sie uns angreifen."
"Du vergisst die Syn. Sie werden immer weiter nach Westen ziehen."
"Es gibt inzwischen zahlreiche Siedlungen im Norden. Die Syn werden genug zu tun haben."
Ein kurzes Schweigen enstand, nur gestört von dem noch immer panischem Geschrei des Gefangenen.
"Nagut. Dann soll er gehen." Der Mann richtete sich an den Kanier. "In der Nähe der Ställe stehen noch Pferde. Nimm dir eines und dann beeile dich, so weit wie möglich nach Westen zu kommen." Mit diesen Worten ließ er ihn los, und der Kanier rannte mit aufgerissenen Augen auf die Ställe zu, als wäre eine Herde Auerochsen hinter ihm her.

Eineinhalb Tage später - Durc war mittlerweile von einer alten, schweigsamen Frau versorgt wurden, die sich flink und ohne irgendwelche Umschweife, jedoch auch ohne jegliche Fürsorge, um ihn gekümmert hatte - galoppierte der selbe Händler auf einem schweißdurchtränktem Pferd in die Stadt, in der sich Laruna und Durc aufhielten. Irritiert wandten die Menschen sich ihm zu. Verdreckt und übermüdet sprang der Mann von dem Pferd, das sich auf der Stelle umwandte und sich rasch aus dem Staub machte, bevor es wieder eingesperrt werden konnte.
Indes liefen Stadtwachen auf den Händler zu, um in Erfahrung zu bringen, was los war - und dies wurde ihnen bereitwillig entgegengeschrien. Über den halben Marktplatz rief der Geflohene, was er wusste: dass die 'Wilden' das Land zurückerobern wollten. Dass sie trotz der unter den Clans herrschenden Konflikte alle gemeinsam kämpften.
Diese Information verbreitete sich in dieser und den umliegenden Städten wie ein Lauffeuer; Panik brach aus und Vorbereitungen für einen Gegenangriff wurden voller Hektik getroffen.
Wer würde in diesem Krieg wohl gewinnen?

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BeitragThema: Re: Nudeln mit Tomatensauce (Layana et Cynthia)   So März 28, 2010 12:13 am

Ratlos saß Laruna in ihrem kleinen Haus. (Lassen wir das einfach mal so stehen... x'DD )
'Die Wilden' wollten sie also töten. Sie und all die anderen Kanier. Was sollten sie tun? Sich wehren, sich stellen? Es wäre alles unnütz, denn ein Krieg war unumgänglich. Sie war sich sicher, dass man nicht mit ihnen... 'verhandeln' konnte. Schließlich konnte man dies auch nicht mit den Kaniern selbst, wie sie leider zugeben musste.
Was sollten sie also tun? Es stand fest, dass beide Seiten sich auf eine Verhandlung nicht einlassen würden. Das Wissen, dass sich womöglich 'die Wilden' eher auf eine Verhandlung einlassen würden als die Kanier, verdrängte sie. Außerdem war offenkundig, dass ein Krieg nicht verhindert werden konnte. Zu viele verschiedene 'Clans', //Wie Durc sie immer nannte.//, waren es, die sich gegen die Kanier verbündet haben. Niemand wäre in der Lage, sie alle zu kontrollieren und gleichsam anzuführen. Es konnte keinen geben, der darüber vermögte, sie alle unter Kontrolle zu haben. Jeder Clan würde ab einem bestimmten Zeitpunkt seine eigenen Ziele verfolgen.
Jedenfalls war es so in Larunas Vorstellung. Ob es doch tatsächlich ginge? Das wusste sie wahrlich nicht.

Sie wollte irgendetwas tun, damit die Kanier nicht vernichtet würden. Doch was sollte schon solch jemand wie Laruna ausrichten können?
Sie war eine junge Frau, welche um ihr Überleben kämpfte, um ihre Lebensweise einmal drastisch zu erläutern. Sie war eine Frau, welche sich nicht mal als Bauersfrau oder Frau eines Handelsmannes bezeichne konnte. Nicht einmal das konnte sie. Demnach konnte sie schon gar nichts in der Vorgehensweise der Stadtwachen anrichten. Niemand würde sie anhören. Was sollte sie auch sagen?

Dann fiel ihr plötzlich eine Person ein, die mit Sicherheit etwas darüber weiß. Diese Person saß weit unten in den Gefängnissen der Stadt, gefesselt in Ketten und mit heftigen und schweren Verletzungen: Durc.
Sie war sich sicher, dass er nichts über den geplanten Angriff verraten würde, bereits unzählige Male gefoltert wurde. Aber sie wusste sich keinen Rat.

Sie erhob sich, schnappte sich ihren Mantel und kleinen Rucksack und machte sich auf den Weg ins Gefängnis.

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BeitragThema: Re: Nudeln mit Tomatensauce (Layana et Cynthia)   Mo März 29, 2010 9:51 pm

("Vermögte"? ... Wenn ich das Frau Ehlert verrate!)

Eilboten wurden gesandt und ließen in jeder erreichten Siedlung jähe Hektik ausbrechen, doch für die äußeren, kleinen Dörfer, die zuerst von den Ureinwohnern attackiert wurden, gab es keine Rettung mehr. In beunruhigender, sich jedoch verringernder Geschwindigkeit drangen die Schwertkünstler vor, während innerhalb der Städte rasch aufgerüstet wurde.
Die Angriffe waren nunmehr das einzige Gesprächsthema, ein jeder sprach darüber, jeder wusste davon und war bestrebt, sein Nötigstes zu tun, um seine Heimatstadt und vor allem sich und seine Familie auf die nahende Bedrohung vorzubereiten. Die Furcht lag über den Orten, hatte sich in die Gassen geschlichen und zog wie ein schmutziger, kalter Nebel durch die Straßen, ein hektisch in den Winden wirbelnder Rauch, der einem die Sinne trübte. Die Sorge um Verwandte und Bekannte, die in den äußeren Zonen der von den Kaniern besetzten Gebieten wohnten, schnürte kalte Fäden um die unsteten Herzen, doch war es niemandem mehr außer den Boten und einigen Transporten gestattet, die Städte zu verlassen.

Tief unten, einsam in den kalten Kerkern, hing Durc in seinen schweren Ketten, ein in sich versunkener Lumpenhaufen, darunter verborgen ein vernarbtes Knochengestell, überspannt mit ledriger Haut. Die Nachricht der Angriffe war nicht bis zu ihm nach unten gedrungen, obgleich selbst die hungrigen Ratten vorfreudig säuselten, wenn sie an das bevorstehende Gemetzel dachten.
In ungewohnt langer Zeit verschont von Foltern, kniete der Mann schlaff auf dem dreckigen Boden, den Oberkörper vornübergebeugt, den Kopf nach unten geneigt, sodass das fettige Haar sein ausgemergeltes Gesicht gütig verschleierte. Sein Geist war längst davongedriftet, in eine heimliche Welt der Erinnerungen, die nur er allein zu betreten vermochte - fern von der Gegenwart, fern vom Leid.
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BeitragThema: Re: Nudeln mit Tomatensauce (Layana et Cynthia)   Mo Apr 05, 2010 8:50 pm

(Autsch... Der Fehler tut weh. o.O )

"Laruna... So schnell wieder auf der Arbeit?" Mit einem süffisanten Grinsen auf dem Gesicht sah der Gefängniswärter Laruna an, welche gerade das Gefängnis betrat.
"Ja... Ich arbeite doch schon wieder jetzt. Wenn es genehm ist."
Ein hässliches Glucksen war zu vernehmen, als der Wärter sich vom Stuhl rappelte und sich breit vor Laruna aufstellte. "Aber sicher doch, Süße."
Innerlich begann Laruna zu würgen und schnappte sich die Sachen vom Nebentisch. "Vielen Dank." Mit einer flinken Bewegung war sie unter dem ausgestreckten Arm des Wärters hindurch gerutscht und eilte zu Durcs Zellte.
Dort angekommen verweilte sie einen Augenblick vor der Zellentür, steckte dann den Schlüssel ins Schloss, drehte ihn um und trat schweigend ein.

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BeitragThema: Re: Nudeln mit Tomatensauce (Layana et Cynthia)   Di Apr 06, 2010 10:04 pm

Das unerwartete Geräusch holte ihn aus den Weiten der Erinnerungen zurück und ließ ihn leicht den Kopf drehen, sodass er zur Tür blicken konnte. Als sich seine Augen scharfgestellt hatten und Laruna erkannte, blinzelte er zweimal. Sie war bereits zurück? Unter anderen Umständen hätte er nun eine bissige Bemerkung fallen lassen, doch selbst wenn sein benebeltes Gehirn dazu imstande gewesen wäre, den nötigen Sarkasmus zu verarbeiten, hätte er sich den Kommentar verkniffen. Weshalb auch unnötig Kraft auf unnötige Worte verschwenden?
Langsam ließ er seinen Kopf zurück in die ursprüngliche Position gleiten, sodass seine Nackenmuskeln entspannt waren. Vermutlich würde sie ihn nur rasch versorgen; wahrscheinlich hatte die Frau, die sich am Vortag um ihn gekümmert hatte, keine Zeit, sodass Laruna gezwungen war, diese Aufgabe wieder zu übernehmen.
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BeitragThema: Re: Nudeln mit Tomatensauce (Layana et Cynthia)   Di Apr 06, 2010 10:50 pm

Einen Moment betrachtete sie Durc mit grübelndem Blick, ehe sie auf ihn zu trat, die Schüssel mit Wasser und dem Tuch, die Kräuter, sowie Wasser und Brot auf den Boden stellte und sich selbst vor ihn kniete.
"Hallo", meinte sie. Sorge und Verzweiflung lag in ihrem Blick, welchen sie auf das Tuch gerichtet hatte, welches sie durch das Wasser zog.

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BeitragThema: Re: Nudeln mit Tomatensauce (Layana et Cynthia)   Mi Apr 07, 2010 2:34 pm

Dass, und auch in welchem Ton sie ihn begrüßte, verwunderte ihn - offensichtlich war in der Zwischenzeit etwas passiert, das sie aufgewühlt hatte, überlegte er. Ein wenig Neugierde regte sich in ihm; doch weder ging es ihn etwas an, noch war es für ihn von Relevanz - glaubte er zumindest.
Zur Antwort brummte er etwas Undeutliches; es klang nicht unfreundlich und auch nicht desinteressiert, nicht erfreut oder genervt, sondern eher erschöpft.
Regen tat er sich nicht; seine ganze Kraft war darauf ausgerichtet, seine Wunden zu heilen, die sich tatsächlich rasch schlossen.
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BeitragThema: Re: Nudeln mit Tomatensauce (Layana et Cynthia)   Mi Apr 07, 2010 2:49 pm

Laruna sah auf und musterte ihn eindringlich. "Ihr seht schwach aus", stellte sie fest und legte das feuchte Tuch auf eine größere Wunde auf seiner Brust.
"Wie es scheint... Habt Ihr es noch nicht mitbekommen?", fragend sah sie ihn an.

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BeitragThema: Re: Nudeln mit Tomatensauce (Layana et Cynthia)   Mi Apr 07, 2010 4:51 pm

Leicht richtete er sich auf, betrachtete hungrig die Lebensmittel, die sie mitgebracht hatte.
"Was mitbekommen?", fragte er leise, mit kratziger Stimme. Das feuchte Tuch war angenehm auf der bereits verschorften Verletzung.
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BeitragThema: Re: Nudeln mit Tomatensauce (Layana et Cynthia)   Mi Apr 07, 2010 6:47 pm

Schweigend sah sie ihn einen Moment an. "Die 'Wilden' greifen an."
Sie senkte den Blick und zog das Tuch ein weiteres Mal durch das Wasser, um es ihm auf eine weitere Wunde zu legen.

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BeitragThema: Re: Nudeln mit Tomatensauce (Layana et Cynthia)   Mi Apr 07, 2010 11:18 pm

Ihre Worte schossen ihm durch Mark und Bein. Sein durchdringender Blick suchte den ihren.
"Sie greifen an?", fragte er nach; seine Stimme klang nun viel wacher und kräftiger. Die Begierde nach dem Wissen um seine Leute machte ihn lebendig.
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BeitragThema: Re: Nudeln mit Tomatensauce (Layana et Cynthia)   Do Apr 08, 2010 12:00 am

Sie nickte sachte und sah langsam wieder zu ihm auf. "Ja", antwortete sie knapp, während sie sich wegen seines durchdringenden Blicks unwoh fühlte.
"Ja, sie greifen an." Sie bereitete die Kräuter vor.

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BeitragThema: Re: Nudeln mit Tomatensauce (Layana et Cynthia)   Do Apr 08, 2010 2:57 pm

Das war ihm nicht genügend Information; was griffen sie an, nur diese Stadt? Oder weitere Siedlungen? Sein Clan oder ein anderer? Oder gar mehrere?
"W...wo greifen sie an und wie..wie viele?", brachte er unter einem leichten Husten heraus, den Blick weiter drängend auf sie gerichtet.
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BeitragThema: Re: Nudeln mit Tomatensauce (Layana et Cynthia)   Do Apr 08, 2010 11:13 pm

"Alles. Sie greifen alle Siedlungen an", meinte sie leise. "Viele. Sehr viele." Sie richtete den Blick wieder auf ihn und sah ihn ernst an. "Ich denke, ich brauche gar nicht zu fragen, welcher Seite ihr helft."

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BeitragThema: Re: Nudeln mit Tomatensauce (Layana et Cynthia)   Fr Apr 09, 2010 2:31 am

Beunruhigung schlich sich in seine dunklen Augen.
"Das...ist nicht gut...das sollten sie nicht tun", sagte er, leise, jedoch hörbar. Auf ihre Bemerkung ging er nicht ein, und er wagte auch nicht darüber nachzudenken - denn die Konsequenzen der Vereinigung der Clans war ihm bewusst...
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BeitragThema: Re: Nudeln mit Tomatensauce (Layana et Cynthia)   Mo Apr 12, 2010 11:40 am

Laruna bemerkte sehr wohl, dass irgendetwas nicht richtig zu sein schien. Er war offensichtlich nicht erfreut darüber, dass sie angegriffen wurden, obgleich ihr klar war, auf wessen Seite er stand. Es war etwas anderes. Offensichtlich etwas viel, viel Schlimmeres...
"Mir ist klar, auf wessen Seite ihr steht, aber... Dennoch scheint Ihr nicht sehr glücklich über den Kampf gegen uns zu sein. Warum? Gibt es doch eine Hoffnung für uns zum Sieg, den Ihr befürchtet?"

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BeitragThema: Re: Nudeln mit Tomatensauce (Layana et Cynthia)   Mo Apr 12, 2010 2:47 pm

"Die Clans dürfen nicht geeint werden", antwortete er und schüttelte dann ganz leicht den Kopf - zu viel mehr war er im Moment nicht fähig.
"Diese Schlacht kann keiner gewinnen.Wird keiner gewinnen. Wenn die Clans ihre Grenzen vergessen, wird jeder verlieren."
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BeitragThema: Re: Nudeln mit Tomatensauce (Layana et Cynthia)   Di Apr 13, 2010 9:44 am

Laruna runzelte fragend die Stirn und wandte sich den Kräutern zu, welche sie etwas auseinanderzupfte und dann auf seine Wunde legte.
"Erzählt Ihr mir, was Ihr damit meint?", fragte sie nach einem Moment leise. "Ich verstehe es nicht... Wieso wird jeder verlieren? Es muss doch einen Sieger geben. Oder wird es ein endloser Kampf?"

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BeitragThema: Re: Nudeln mit Tomatensauce (Layana et Cynthia)   Di Apr 13, 2010 1:26 pm

"Eure Macht wird zerschlagen", begann er und hustete nochmals heiser - allzu lange konnte er mit seinem vom schreien wunden Kehle nicht sprechen-, "aber wir werden euren Platz... einnehmen und euch zu... Dienern machen..." Er würgte trocken. "Wasser...bitte.."
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BeitragThema: Re: Nudeln mit Tomatensauce (Layana et Cynthia)   Mi Apr 14, 2010 10:36 am

Wut flammte in Laruna Augen auf, doch sie wusste sich zu beherrschen. Sie drückte die Kräuter etwas fester auf seine Wunde, damit sie dort kleben bleibten. Dann wandte sie sich dem Wasserkrug zu und setzte diesen vorsichtig an Durcs Lippen.
"Aber warum wird jeder verlieren, wenn sich die Clans vereinen?"

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BeitragThema: Re: Nudeln mit Tomatensauce (Layana et Cynthia)   Mi Apr 14, 2010 1:12 pm

Kaum berührte der erste Tropfen seine Lippen, trank er gierig und ohne Pause, bis der Krug vollkommen leer war. Dann lehnte er sich mit etwas schwererem Atmen auf Grund des kurzen Sauerstoffmangels zurück, sodass sein Hinterkopf an der Wand ruhte und die Verletzungen in Gesicht und am Oberkörper sichtbar wurden.
"Die Grenzen können gehalten werden, wenn Frieden ist, aber der Krieg zerstört sie... Wenn der Hochmut kommt, werden sich die Clans wieder bekriegen... wie lange schon nicht mehr. Außerdem wird...", ihm fehlte an dieser Stelle fehlten ihm offensichtlich die richtigen Worte in dieser ihm an sich fremden Sprache - falls es sie dort überhaupt gab, "die Geister vertreiben, die die menschliche Gier in uns zurückhalten, die euch schon lange...quält. Die Clans werden sich von innen zerstören. Und..." Er wollte noch fortfahren, wurde jedoch unterbrochen. Draußen hörte man drei lachende und laut redende Wachmänner näherkommen, die im nächsten Moment vor der angelehnten Zelltür Durcs ankamen.
"Oh, Laruna, hallo! Du kannst deine Arbeit heute früher beenden und einem wunderbaren Schauspiel zusehen", sagte einer von ihnen mit einem breiten, dreckigen Grinsen auf dem Gesicht.
Durc indes sank in sich zusammen, sein Körper bebte in der Vorahnung der Schmerzen, die ihn erwarteten. Die Ketten, die ihn hielten, wurden losgemacht, und nur seine aufgescheuerten Handgelenke wurden vorm Bauch wieder mit großen, eisernen Handfesseln befestigt, die ihm einen kleinen Spielraum ließen.
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BeitragThema: Re: Nudeln mit Tomatensauce (Layana et Cynthia)   Di Jun 15, 2010 7:42 pm

Aufmerksam lauschte Laruna Durcs Worten. Ihre Augen wurden größer, mit jedem Wort, welches Durcs Lippen verließ, verstand sie mehr.
Fast nervös sah sie Durc an, als er fortfuhr, zuckte aber erschrocken zusammen, als die Wachen an der Zelltür erschienen.
"Hallo", sagte sie tonlos und beobachtete reglos, wie Durcs Hände vor seinem Bauch in Ketten gelegt wurden.
Sie zögerte, machte dann jedoch einen Schritt nach vorn. "Er soll heute hier bleiben."
Die Wachen schauten sie skeptisch an.
"Mir wurde gesagt, ich solle ihn heute weiter behandeln. Die heutige... Prozedur fiele aus."

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